
Zwischen 300 und 400 Menschen verbringen die Wintermonate in der improvisierten Barackensiedlung nahe des Messegeländes von Ibiza. Die provisorischen Hütten aus Paletten, Planen und Brettern liegen verborgen hinter Schutt und einem unbefestigten Weg.Die meisten Behausungen verfügen weder über Wasseranschluss noch über Strom. Dennoch präge laut der Tageszeitung Periódico de Ibiza y Formentera Solidarität, gegenseitige Hilfe und die Hoffnung auf Arbeit ihren Alltag. Eine dreifarbige Fahne markiert die gemeinsame Herkunft und den Zusammenhalt.
Mehrere Bewohner berichten, dass im Winter vor allem Tätigkeiten in der Bauwirtschaft Arbeit bringen. Mohamed, den viele als eine Art „Bürgermeister“ des Lagers bezeichnen, erklärt: „Wir kommen aus der Wüste, aus den Flüchtlingslagern. Dort haben wir gelernt, uns an alles anzupassen.“ Er schätzt, dass hier zwischen 300 und 400 Menschen im Winter leben, im Sommer jedoch viel mehr. Bouadi, der seit einem Jahr im Lager ist, sagt: „Jedes Jahr bleiben mehr Menschen auch im Winter hier. In der Bauwirtschaft wird immer jemand gebraucht.“ Viele von ihnen wechseln zwischen kurzen Beschäftigungen und Phasen ohne jede Einnahme. Ein Teil lebt mit gültigen Papieren auf der Insel und sucht nach stabilen Beschäftigungsmöglichkeiten.
Das größte Problem bleibe der Zugang zu Wasser. Mohamed erklärt, dass die Jobsuche ohne Wasch- und Duschmöglichkeiten zusätzlich erschwert würde. Regen verwandele den Boden in Schlamm, Nächte seien bitterkalt, und viele Schutzvorkehrungen hielten den Witterungsbedingungen kaum stand.
Einige ehemalige Bewohner haben inzwischen Zimmer gefunden, besuchen jedoch weiterhin Freunde vor Ort. Siti, der früher selbst im Lager lebte, sagt: „Ich habe jetzt ein Zimmer von meiner Firma bekommen, aber ich komme oft zurück, um meine Freunde zu besuchen.“ Er ergänzt: „Viele arbeiten – im Sommer in der Gastronomie und im Winter auf dem Bau. Wer nicht arbeitet, sucht Arbeit.“ Andere berichten von ausbeuterischen Arbeitsbedingungen und Löhnen unter fünf Euro pro Stunde. Cherif, der seit einem Jahr dort lebt, schildert: „Du arbeitest eine Woche schwarz, sehr harte Arbeit, und dann stellen sie dich monatelang nicht wieder ein. Manche zahlen nur vier oder fünf Euro die Stunde. Und manchmal sagen sie am Ende einfach, dass sie nicht bezahlen.“
Trotz der prekären Lebenslage senden viele einen Teil ihres Verdienstes an ihre Familien im Sahara-Gebiet. Gemeinschaftssinn spielt eine zentrale Rolle: Viele betonen den respektvollen Umgang untereinander und das Bedürfnis, trotz widriger Umstände Ordnung zu halten.
Die Bewohner unterstreichen, dass niemand freiwillig an diesem Ort lebt. Die Worte eines Bewohners fassen die Situation zusammen: „Hier ist niemand aus freien Stücken; wir wären alle lieber in unserer Heimat.“













