
Ibiza gilt seit Jahrzehnten als besonders offenes Reiseziel für die LGBTQ+-Community. Bereits in den 1960er-Jahren, als Homosexualität im übrigen Spanien noch verfolgt wurde, existierte auf der Insel eine organisierte, wenn auch weitgehend im Verborgenen lebende Gay-Szene. In den 1970er-Jahren entwickelte sich die Calle de la Mare de Déu in Sa Penya zu ihrem gesellschaftlichen Mittelpunkt, in den 1980er-Jahren etablierte sich Es Cavallet als bekanntester Gay-Strand der Insel.
Heute ist die Szene deutlich stärker mit dem übrigen Inselleben verschmolzen. Viele historische LGBTQ+-Orte sind verschwunden, zuletzt schloss im Juni 2026 das Chiringay am Es Cavallet nach 45 Sommern. Gleichzeitig ist es auf Ibiza heute nahezu überall selbstverständlich, LGBTQ+ zu sein. Die Tageszeitung Periódico de Ibiza y Formentera hat zusammengestellt, welche Treffpunkte geblieben sind und was sich verändert hat.
Es Cavallet bleibt der wichtigste Gay-Strand Ibizas. Die mehr als einen Kilometer lange Naturstrand liegt im Naturpark Ses Salines und verfügt über einen FKK-Bereich. Das Gay-Publikum trifft sich traditionell vor allem am südlichen Ende des Strandes, wo sich bis zu seiner Schließung das Chiringay befand. Auch der östliche Bereich von Ses Salines rund um Sa Trinxa zieht ein gemischtes und gay-freundliches Publikum an.
In Ibiza-Stadt gilt die Calle de la Mare de Déu im Viertel Sa Penya weiterhin als Zentrum der LGBTQ+-Szene. Die schmale Fußgängerstraße zwischen Hafen und Dalt Vila ist geprägt von Terrassen, Bars, Drag-Shows, Geschäften und Tattoo-Studios. War sie in den 1980er-Jahren noch fast vollständig auf ein schwules Publikum ausgerichtet, ist die Atmosphäre heute wesentlich gemischter und internationaler.
Auch das Nachtleben hat sich verändert. Einen ausschließlich schwulen Club wie das frühere Anfora unterhalb der Mauern von Dalt Vila gibt es nicht mehr. Dafür haben große, grundsätzlich gemischte Clubveranstaltungen ein starkes LGBTQ+-Publikum. Zu den wichtigsten gehören 2026 La Troya montags im Chinois und Glitterbox freitags im Amnesia. La Troya blickt auf mehr als 30 Jahre Geschichte zurück und hat ihre Wurzeln in der LGBTQ+-Kultur.
Das größte LGBTQ+-Event der Insel ist der Ibiza Pride, der seit 2015 im Juni stattfindet. Die zwölfte Ausgabe wurde 2026 vom 6. bis 13. Juni veranstaltet und erstmals um Aktivitäten in Sant Antoni erweitert. Höhepunkt ist die große Pride-Parade durch Ibiza-Stadt. Das Programm verbindet Partys und Aktivismus inzwischen auch mit Angeboten zu Wohlbefinden und mentaler Gesundheit.
Dass einige ausschließlich LGBTQ+-geprägte Orte verschwunden sind, führt der Bericht auch auf die gesellschaftliche Öffnung zurück: Schwule, lesbische, bisexuelle, trans, intergeschlechtliche und queere Menschen seien heute weniger darauf angewiesen, eigene Räume zu haben, um sich auf Ibiza wohlzufühlen. Die gleichgeschlechtliche Ehe ist in Spanien seit 2005 anerkannt, auf den Balearen schützt seit 2016 ein eigenes Gesetz die Rechte von LGBTQ+-Menschen und richtet sich gegen Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität.
Auch bei der Unterkunft ist eine spezielle Auswahl normalerweise nicht notwendig. Die große Mehrheit der Hotels und Apartments auf Ibiza empfängt gleichgeschlechtliche Paare selbstverständlich.











