
Die Tageszeitung Periódico de Ibiza y Formentera berichtet heute ausführlich in mehreren Artikeln über den Abriss des Elendslagers Can Rova 2 und die Folgen für die betroffenen Menschen. Viele der rund 300 betroffenen Personen, darunter Familien mit Kleinkindern, Schwangere und Alleinstehende, stehen vor dem Nichts. Der Einsatz fand am gestrigen Dienstagmorgen friedlich und geordnet statt.
Bereits im Vorfeld hatte das Rathaus den Bewohnern den Zeitpunkt des Abrisses schriftlich mitgeteilt. Dadurch verließen viele das Gelände bereits vor dem offiziellen Beginn der Räumung. Zurück blieb ein Bild der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit.
Viele der Betroffenen berichteten, dass ihnen für die Unterkunft in einem geteilten Zimmer bis zu 800 Euro pro Person abverlangt werden – auch für Kinder. Hinzu kommen in der Regel zwei Monatsmieten Kaution. Ein weiteres Beispiel: 700 Euro Miete für ein Einzelzimmer in Montecristo, plus Nebenkosten und Kaution. Kinder nicht erlaubt.
Viele Betroffene spielen mit dem Gedanken, die Insel zu verlassen – einige wollen aufs spanische Festland, andere zurück in ihre Herkunftsländer. Doch für viele ist dies wegen schulpflichtiger Kinder keine Option.
Soziale Hilfen sind unzureichend
Nach offiziellen Angaben der Gemeinde suchten bislang 62 Erwachsene Hilfe bei den Sozialdiensten von Santa Eulària. Die Zahl war nach der Räumung nochmals angestiegen.
Aufgeschlüsselt:
- 7 Paare + 1 alleinstehende Frau mit insgesamt 11 Kindern
- 37 alleinstehende Erwachsene
- 4 Paare mit schwangeren Frauen
- 1 Person mit schwerer Krankheit
- 1 Person über 65 Jahre
Zur Bewältigung wurden fünf zusätzliche Sozialarbeiterinnen in den Büros von Puig d’en Valls eingesetzt.
Kritik kam vor allem von obdachlosen Männern: Während Müttern mit Kindern Unterbringung bei Caritas oder im Zentrum Nazaret angeboten wurde, fehlten Angebote für alleinstehende Männer.
Gefahren vor Ort
Beim Abriss wurden zahlreiche gefährliche Materialien entdeckt:
- 2 illegal angeschlossene Stromverteiler
- 12 prekäre Elektroinstallationen
- 29 Gasflaschen (Butan)
- 2 LKW-Ladungen Elektroschrott
- 10 Batterien
- 3 Ölfässer, 5 Gaskocher, 2 Treibstoffbehälter
- Asbestplatten, Kältemittelgase
Bürgermeisterin Carmen Ferrer erklärte: „Es wurde eine mögliche menschliche und ökologische Katastrophe verhindert.“ Die Siedlung sei voller explosiver, giftiger und hochgradig brandgefährlicher Substanzen gewesen.
Zukunft des Geländes ist offen
Die Grundstückseigentümer aus Barcelona müssen nun entscheiden, wie das Terrain gesichert wird. Optionen sind:
- Einzäunung zur Verhinderung neuer Besetzungen
- Umwandlung in Agrarfläche, wie es dem Grundbucheintrag entspricht
Die Bürgermeisterin betonte abschließend: „Wir dürfen nicht normalisieren, dass Menschen mit Job keinen Zugang zu einer menschenwürdigen Unterkunft haben.“
Verstärkte Kontrollen gegen neue Lager
Die Gemeinden Ibizas verschärfen derzeit die Überwachung, um neue illegale Lager wie Can Rova 2 zu verhindern.
In Ibiza-Stadt identifizierte die Lokalpolizei am Montag 40 Personen im Gebiet von Ca n’Escandell, wo Gaskocher und Butangasflaschen nahe an dichten Wäldern entdeckt wurden. Zudem wurden dort über 2.300 Kilo Abfälle aus einem Parkplatz mit Behausungen entfernt. Acht Wohnmobile wurden entfernt, die unrechtmäßig auf öffentlichen Straßen geparkt waren, darunter Fahrzeuge, deren TÜV (ITV) bereits seit 2016 abgelaufen war. Die Polizei leitete in allen Fällen entsprechende Verfahren ein.
In Sant Josep zählte man in den letzten Tagen rund 120 Wohnwagen. Die Polizei wurde angewiesen, besonders auf besetzungsgefährdete Gebiete zu achten.
In Santa Eulària wurden nach der Ankündigung der Räumung fünf Bußgelder gegen Personen ausgesprochen, die in es Puig d’en Negre ein neues Lager errichten wollten.
In Sant Joan wurden bislang keine neuen Siedlungen entdeckt, trotz der schwer zu kontrollierenden großen Fläche.
Letzte Woche wurde eine Gruppe beobachtet, die zwischen Pinien improvisierte Behausungen errichtete – in einem Gebiet mit hohem Brandrisiko.
Die Gemeinden bleiben in erhöhter Alarmbereitschaft, so die Tageszeitung
Weitere Bilder aus dem Abriss der illegalen Siedlung aus der Tageszeitung:














