
Monatelange Wartezeiten, illegale Netzwerke, die Termine weiterverkaufen, und Autofahrer, die gezwungen sind, mit einer abgelaufenen Inspektion unterwegs zu sein – die Enthüllungen der Tageszeitung Periódico de Ibiza y Formentera zur Prüfstelle am Messegelände werfen ein bedrohliches Licht auf die Situation.
Am Donnerstagmorgen kehrte die Tageszeitung an den Parkplatz der Prüfstelle zurück, nur Stunden nach ihrer exklusiven Veröffentlichung über einen mutmaßlichen Zwischenhändler, der eine erfolgreiche Prüfung innerhalb von 48 Stunden für 150 Euro bar versprach. Die Mitarbeiter der Station waren bei einem Kaffee versammelt, sichtbar besorgt nach den Enthüllungen dieser Zeitung. Wenige Minuten später, gegen 8.10 Uhr, erschien die von den Zeugen genannte Person, ein in Ibiza sehr bekannter Mann. Nachdem er mehrere Fahrzeugtüren überprüft und sich kurz der Gruppe der Angestellten genähert hatte, verließ er das Gelände nach kaum zehn Minuten wieder.
Währenddessen warteten zahlreiche Autofahrer auf ihre längst überfällige Prüfung. Alfonso erklärte: „Ich habe seit Mai gewartet und musste vier Monate lang riskieren, eine Strafe zu bekommen.“ Beatriz, die gleich zweimal vergeblich ohne Termin vorsprach, kritisierte: „Wenn ich bis Dezember warten muss, liegt es an diesen Leuten, die die Termine blockieren.“ Auch Oria zeigte sich verzweifelt: Für ihre Reise auf die Halbinsel im nächsten Monat bekommt sie online erst einen Termin im Januar.
Nicht alle Nutzer teilten diese Eindrücke. Pepe etwa meinte: „Ich hatte eine direkte Terminbuchung, alles problemlos. Von einem Mann, der am nächsten Tag 150 Euro verlangt, habe ich nichts mitbekommen.“ Auffällig war jedoch die ungewohnt ruhige Lage an diesem Morgen – ein Effekt, der direkt mit der Veröffentlichung der Zeitung in Verbindung gebracht wurde.
Das Inselrat von Ibiza bestätigte inzwischen, dass die Guardia Civil ermittelt. Die Institution selbst hatte bereits im November 2024 Anzeige erstattet. Klar gestellt wurde auch, dass die verdächtige Person weder beim öffentlichen Dienst der ITV noch bei der betreibenden Firma angestellt ist. Um den Missbrauch einzudämmen, will das Consell künftig eine verpflichtende Vorauszahlung bei der Terminbuchung einführen, da derzeit rund 40 Prozent der gebuchten Prüfungen nicht wahrgenommen werden.
Die Betreiberfirma äußerte sich bislang nicht zu den Enthüllungen, arbeitet laut Consell jedoch mit den Behörden zusammen. Das eigentliche Risiko liegt über den wirtschaftlichen Aspekten: Fahrzeuge könnten ohne echte Sicherheitsprüfung auf den Straßen unterwegs sein. Das Beispiel aus Jumilla (Murcia) im Jahr 2024 zeigt tragisch, wohin das führen kann. Dort starb ein elf Monate altes Kind, nachdem ein defekter Reifen platzte – an einem Auto, das kurz zuvor den Betrugs-TÜV bestanden hatte.











