
Die Präsidentin der Associació de Colònies Felines d’Eivissa (ACFE), der Vereinigung der Katzenkolonien auf Ibiza, Sylvia Greiter, sprach mit der Tageszeitung Periódico de Ibiza y Formentera über Herausforderungen, Ziele und Missverständnisse im Umgang mit freilaufenden Katzen auf Ibiza. Allein im Gemeindegebiet von Ibiza leben rund 800 Katzen in etwa 50 registrierten Kolonien.
— Warum wurde die ACFE gegründet?
— Weil wir die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer vereinen wollten, die Kolonien betreuen. Wir wollten verstehen, wie die aktuelle Situation aussieht, und herausfinden, wie wir die Menschen unterstützen können, die Katzen füttern und pflegen. Unser Ziel ist es, Maßnahmen zu bündeln und eine gemeinsame Linie mit den Gemeinden zu finden, damit wir zusammenarbeiten.
— Rund um Katzenkolonien kommt es immer wieder zu Diskussionen. Warum?
— Wir begrüßen eine sachliche Debatte, wenn sie dazu führt, dass wir gemeinsam zu einer ethischen Lösung kommen. Manchmal entsteht aber Konflikt, wo keiner nötig wäre. Denn am Ende wollen wir alle dasselbe: Wir wollen keine unkontrollierte Vermehrung, sondern das Gegenteil – eine verantwortungsvolle, ethische Bestandskontrolle, die auch der übrigen Fauna zugutekommt. Es gibt unterschiedliche Positionen: unsere, die der Jäger, die der Naturschützer. Ich selbst habe gerade zwei verletzte Igel von der Straße gerettet. Wir alle kümmern uns – das ist wichtig.
— Welche Probleme sehen Sie aktuell in der Gesellschaft der Pityusen?
— Es gibt vieles zu verbessern. Die Bevölkerung muss verstehen, wie wichtig ethisches Tiermanagement ist. Politisch haben wir Einwände gegen den Notfallplan der Gemeinde Ibiza eingereicht, denn darin kommen Haustiere und Gemeinschaftstiere gar nicht vor. Dabei muss klar sein, was in einem Ernstfall mit ihnen passiert. Wir brauchen mehr Zusammenarbeit mit den Gemeinden.
— Mit manchen Rathäusern scheint die Kooperation schwierig.
— Einige Gemeinden arbeiten an Managementplänen, manche sind weiter, andere weniger. Sant Antoni hat ein Kastrationsprotokoll, das ist positiv. Aber es gibt Gemeinden, die gar nicht mit uns zusammenarbeiten wollen. Das vermittelt das Gefühl, dass wir nicht vorankommen, obwohl es die neue Tierschutzgesetzgebung gibt. Wir würden gerne enger mit allen Behörden und Vereinen zusammenarbeiten – denn viele leisten seit Jahren wichtige Kastrationsarbeit. Diese Kosten tragen meist die Vereine selbst, und das ist eine enorme Belastung.
— In Ibiza-Stadt sprechen wir von rund 800 Koloniekatzen.
— Das sind nur die registrierten. Es gibt mehr. Wir zählen ungefähr 50 Kolonien, aber ständig tauchen neue Katzen auf.
— Braucht Ihre Organisation mehr Freiwillige?
— Zum Füttern gibt es genug Menschen. Aber bei Notfällen fehlt uns manchmal zusätzliche Hilfe. Ohne kommunale Unterstützung sind viele Situationen schwer zu bewältigen.
— Beim Thema Tierschutz scheint es dennoch große Defizite zu geben.
— Ja. Wir brauchen mehr Kultur des Hinschauens. Wir wollen Workshops und Aufklärungsarbeit anbieten – vor allem für junge Menschen. Viele wissen nicht, was zu tun ist, wenn sie ein verletztes Tier sehen. Ein Beispiel: In Sa Cala lag ein sehr kranker Kater, und viele gingen einfach vorbei. Erst später hat jemand geholfen.
— Ein anderes Beispiel war das kleine Kätzchen, das auf der Straße von Sant Antoni gerettet wurde.
— Freiwillige mussten es einfangen – sonst wäre es überfahren worden. Es hat sich versteckt, die Rettung war schwierig. Jetzt ist es in einer Klinik und wartet auf eine verantwortungsvolle Adoption.
— Müssen Sie weiterhin gegen Vorurteile kämpfen, besonders gegenüber alleinstehenden Frauen, die Katzen versorgen?
— Leider ja. Viele unserer Helferinnen haben erlebt, dass Menschen sie anschreien, wenn sie eine Kolonie füttern. Es fehlt an Bewusstsein und Respekt für Gemeinschaftstiere und die Menschen, die sich kümmern.
— Manche sagen, Vereine würden zu hohe Anforderungen an Adoptanten stellen.
— Ich verstehe, dass das manchmal streng wirkt. Aber es geht um den Schutz des Tieres. Wir hatten Fälle, bei denen ein adoptiertes Tier vom Balkon fiel oder entkam und starb. Deshalb brauchen wir gewisse Mindestkriterien. Die meisten Katzen kommen krank an, und man möchte sicher sein, dass sie ein geeignetes Zuhause bekommen.
— Was ist Ihre wichtigste Botschaft als ACFE-Präsidentin?
— Wir wollen keine Konflikte, sondern positive Zusammenarbeit mit den Gemeinden. Sie sollen uns nicht als Gegner sehen. Wir suchen Konsens – und Wege, wie wir uns gegenseitig unterstützen können.













