
Kurz vor Beginn der Tourismussaison 2026 steht auf Ibiza erneut die Räumung eines improvisierten Wohnwagenlagers von Saisonarbeitern bevor, wie die Tageszeitung Diario de Ibiza unter Berufung auf die Nachrichtenagentur EFE berichtet. Das Camp befindet sich seit Juli vergangenen Jahres auf einem illegal besetzten Grundstück zwischen einem Fußballstadion und einer Umgehungsstraße in der Nähe der Stadt Ibiza. Dort leben nach Schätzungen der Bewohner rund 80 Menschen – viele von ihnen arbeiten im Tourismus.
Zwei Betroffene, Elena Núñez und Ceferina Florenciano, berichten, dass sie das Gelände spätestens bis zum 29. April verlassen müssen. Ein Gericht hat für diesen Tag um 10.30 Uhr die Räumung angeordnet. Eigentümer des Grundstücks ist das Unternehmen Inmo Sirenis, das zusätzlich Schadensersatz fordert. Florenciano arbeitet als Zimmermädchen im Hotel Pacha, während Núñez als Sicherheitsmitarbeiterin im Hotel The Ibiza Twiins beschäftigt ist. Beide gehören zu den zahlreichen Arbeitskräften, die trotz fester Jobs keine bezahlbare Unterkunft auf der Insel finden. Nach ihren Angaben lebten viele Bewohner zuvor in überfüllten Mietwohnungen, in denen für ein Doppelzimmer zwischen 1.000 und 1.400 Euro verlangt wurde – oft unter schlechten Bedingungen. Florenciano berichtet, dass Kochen oder Duschen teilweise eingeschränkt gewesen sei und die Preise ständig gestiegen seien. Auch Núñez schildert ähnliche Erfahrungen: In einer Wohnung mit vielen Bewohnern sei ihr sogar zeitweise der Strom abgestellt worden, wenn sie kochte oder die Waschmaschine nutzte. Deshalb entschieden sich beide schließlich, mit ihren Partnern in Wohnwagen zu leben. Im Camp hätten sie bislang relativ ruhig gelebt und das Gelände sauber gehalten. Doch Mitarbeiter des Rathauses von Ibiza teilten den Bewohnern in der vergangenen Woche mit, dass sie das Grundstück verlassen müssen. Die Betroffenen bitten die Stadtverwaltung nun um eine Alternative, etwa ein Gelände, auf dem sie ihre Wohnwagen legal abstellen könnten. „Wir wissen nicht, wohin wir gehen sollen“, erklärt Florenciano. Núñez befürchtet, dass sie ihre Wohnwagen notfalls auf öffentlichen Straßen abstellen müssen.
Der Fall reiht sich in mehrere ähnliche Räumungen der vergangenen Jahre ein, darunter die Siedlungen Can Rova I, Can Rova II und das Gelände beim Parkplatz Es Gorg. Nach dem ersten Zensus des Roten Kreuzes auf Ibiza lebten bereits im vergangenen Sommer rund 1.200 Menschen in insgesamt 655 provisorischen Unterkünften oder ohne festen Wohnsitz auf der Insel – mitten in der Hochsaison.












