
Der deutsche Tourismusmarkt auf Ibiza und Formentera zeigt eine spürbare Schwächephase. In einer Analyse im Vorfeld der Tourismusmesse ITB in Berlin warnt José Antonio Roselló, Vizepräsident der CAEB, Hotelier und Ökonom, laut der Tageszeitung Diario de Ibiza vor einer negativen Entwicklung, die dringend eine gezielte Werbeoffensive erforderlich mache.
Roselló spricht von einer „wenig glanzvollen Entwicklung“ im Jahr 2025. Nach Angaben des Statistikportals Ibestat verzeichnete der deutsche Markt im Juli ein Minus von 9,93 Prozent und im August von 6,82 Prozent im Vergleich zu 2024. Insgesamt sank die Zahl deutscher Besucher im Jahresverlauf um 2,72 Prozent. Damit liegt Deutschland inzwischen nur noch auf Rang fünf der wichtigsten Herkunftsmärkte hinter Großbritannien, Spanien, Italien und den Benelux-Staaten.
Roselló stellt die Frage, ob es angesichts einer sich erholenden deutschen Wirtschaft akzeptabel sei, auf den Pityusen derart niedrige und rückläufige Zahlen zu verzeichnen. Ein Blick nach Mallorca zeige ähnliche Tendenzen. Zwar wuchs der deutsche Markt dort 2024 noch um 10,17 Prozent, doch 2025 wechselten sich Zuwächse und Rückgänge ab. Ab Mai seien die Besucherzahlen kontinuierlich gesunken. In der Branche herrsche spürbare Besorgnis. Als mögliche Ursachen werden neben wirtschaftlichen Faktoren auch die antitouristischen Strömungen auf den Balearen genannt, die das Image beeinträchtigen könnten.
Deutschland selbst befindet sich laut Roselló in einem tiefgreifenden strukturellen Wandel, ausgelöst unter anderem durch die Folgen des Ukraine-Krieges und den Wegfall günstiger russischer Energie. Hohe Energiepreise, die grüne Transformation sowie der Wettbewerbsdruck aus China – insbesondere in der Automobilindustrie – belasteten die Wirtschaft. Nach zwei Jahren mit negativem Wachstum verzeichnete Deutschland 2025 lediglich ein Plus von 0,2 Prozent. Dennoch sieht Roselló mittelfristig positive Signale. Die OECD prognostiziert für 2026 einen Anstieg des privaten Konsums und der Investitionen, eine stabile Arbeitslosenquote von 3,6 Prozent sowie eine Inflationsrate von 2,1 Prozent. Auch die neue große Koalition aus Christdemokraten und Sozialdemokraten setze auf umfangreiche Investitionen in Verteidigung, Infrastruktur und ökologische Transformation. Diese expansivere Finanzpolitik wird kontrovers diskutiert, könnte jedoch Impulse für Wachstum und Konsum setzen. Der deutsche Leitindex DAX 40 legte 2025 um rund 22,5 Prozent zu – stärker als der Euro Stoxx.
Roselló mahnt jedoch zur Vorsicht bei vorschnellen Schlüssen. Die aktuellen Rückgänge auf Ibiza und Formentera könnten ein zeitverzögerter Effekt makroökonomischer Entwicklungen sein. Gleichzeitig erinnert er daran, dass selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten der deutsche Tourismus nach Spanien und auf die Balearen oftmals robuste Zahlen geliefert habe.












