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Think Tank: Sozialer Friede trotz hoher Beschäftigung auf Ibiza gefährdet

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Die balearische Regierungschefin Prohens (helles Kostüm) mit den wichtigsten Wirtschaftsbossen der Balearen. Foto: Pere Bota

Trotz glänzender Arbeitsmarktzahlen und ansehnlichem Wirtschaftswachstum lässt die Produktivität auf den Balearen mehr als denn je zu wünschen übrig. Zu dieser kritischen Selbstanalyse kamen am Montag die 60 Anteilseigner des Think Tanks Fundació Impulsa anlässlich der Unterzeichnung eines Papiers, mit dessen Umsetzung genau dieses Problem gelöst werden soll. Einer Meldung der Tageszeitung Ultima Hora zufolge vereinen die Mitglieder, hinter denen zumeist umsatzstarke Unternehmen stehen, 18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das auf den Balearen erwirtschaftet wird. Das Treffen, an dem auch die balearische Regierungschefin Marga Prohens teilnahm, fand im Firmensitz des auf Mobilität spezialisierten Unternehmens OK Mobility statt.

In seiner Rede vor der Crème de la Créme der Balearenwirtschaft nahm Stiftungsdirektor Antoni Riera kein Blatt vor den Mund. Zwar hätten in den zurückliegenden Jahren verschiedene Parameter, an denen die Wirtschaftskraft gemessen werde, deutlich zugenommen, darunter die Beschäftigung und der Druck auf Naturräume. „Dieses Wachstum hat aber nicht zu einem höheren Pro-Kopf-Einkommen und einer höheren Lebensqualität der Menschen geführt“, so Riera. Und warf zur Veranschaulichung seiner Aussage ein paar Zahlen in die illustre Runde: Hätten die Inseln im Jahr 2000 bei der Produktivität noch über dem europäischen Mittel gelegen, müssten sie sich jetzt die obere Hälfte von unten ansehen. „In anderen Worten, wir sackten im Regionen-Ranking von Platz 129 auf Platz 234 ab.“

Ähnlich verhalte es sich beim Pro-Kopf-Einkommen, bei dem die Balearen 2002 noch Rang 46 eingenommen hätten und zwanzig Jahre später nur noch auf Platz 110 zu finden seien. In diesem Zeitraum, so zitiert das Blatt den angesehen Wirtschaftsexperten, habe die Wirtschaft auf dem Archipel einen Sprung von 30 Prozent gemacht. „Das durchschnittliche Realeinkommen jedoch stürzte um 22 Prozent ab“, so Riera. Kaum verwunderlich, dass der Stiftungsdirektor zu dem Schluss kam, dass die „Rechnung aus mehr Tourismus, mehr Arbeitnehmern und mehr Naturraumkonsum unter sozialgesellschaflichten Aspekten nicht aufgegangen sei. „Armut und soziale Ungleichheit konnten nicht verhindert werden.“

Dem mochte die balearische Ministerpräsidentin Prohens (Volkspartei PP) nicht widersprechen. Ungewöhnlich offen lenkte sie vor den versammelten Wirtschaftsbossen ein, dass „wir zu jenen acht europäischen Regionen gehören, die an Produktivität am meisten eingebüßt“ hätten. Dann richtete sie den Blick in ihrer Rede nach vorne. Da die Analyse nun vorliege, sei es an der Zeit, konkrete Maßnahmen zu ergreifen. „Und genau die haben wir uns in dieser Legislaturperiode auf unsere Fahnen geschrieben“, so Prohens. Nun müssten Formeln gefunden und umgesetzt werden, die nicht nur eine hohe Beschäftigung garantierten, sondern den Weg zu einem Produktivitätsniveau wiesen, das „nachhaltig, wirtschaftlich und sozial“ sei.

Dabei stellte Prohens den Tourismus als altgedienten Wirtschaftsmotor Nummer eins der Balearen nicht infrage. Im Rahmen einer „zweiten Wirtschaftsrevolution“ (die erste soll vermutlich eben jener Tourismus sein, Anm. d. Red.) soll das bisherige Wirtschaftsmodell keineswegs ausgetauscht als vielmehr „einem Wandel“ unterzogen werden. Ihre Regierung werde alles daran setzen, dass sich die „Politik und Verwaltung nicht als Bremsklotz“ bei der Produktivität erweise. „Wachstum muss in Zukunft gleichbedeutend mit Wohlstand für alle sein“, sagte Prohens.

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