
Am 30. August 1905 blickte ganz Ibiza zum Himmel, als eine totale Sonnenfinsternis die Insel für wenige Minuten in Dunkelheit tauchte. Zertifizierte Schutzbrillen oder moderne Technik gab es damals nicht: Die Menschen versammelten sich auf Balkonen, Dächern und Straßen und beobachteten das Ereignis durch verrußte Glasscheiben. Wie die Tageszeitung Diario de Ibiza anhand der damaligen Berichte schildert, war die Vorfreude bereits Wochen zuvor groß. Während sich internationale Wissenschaftler an verschiedenen Orten Spaniens auf das seltene Himmelsereignis vorbereiteten, rechnete man auf Ibiza kaum mit auswärtigen Besuchern. Der angekündigte Zeitpunkt wurde besonders unmissverständlich erklärt: Der Beginn nach ein Uhr sei natürlich am frühen Nachmittag, da ein solches Ereignis nachts nicht möglich sei. Selbst die Sorge, dichte Wolken könnten die Sicht verhindern, erwies sich am entscheidenden Tag als unbegründet.
Bei klarem Himmel verschwand die Sonne schließlich vollständig hinter dem Mond. Das Tageslicht nahm abrupt ab, das Meer erschien dunkel, Vögel suchten erschrocken Schutz und mitten am Tag wurden erste Sterne sichtbar. Die Zeitung beschrieb das Geschehen als eindrucksvolles Schauspiel und berichtete von zahlreichen selbst ernannten Beobachtern, die mit ihren improvisierten Filtern Balkone, Dächer und Straßen füllten. Für kurze Zeit wurde die Insel so zu einem Volksobservatorium. Weil damals davon ausgegangen wurde, dass sich eine totale Sonnenfinsternis auf den Balearen über Generationen nicht wiederholen würde, verabschiedete sich der Redakteur mit den Worten „Adiós para siempre“. Nach der Rückkehr des Lichts begann für Ibiza tatsächlich eine lange Wartezeit – bis zur nächsten totalen Sonnenfinsternis am 12. August 2026.













