
Obwohl die Gesamtzahl der Fälle statistisch gesehen gering ist – im Jahr 2024 betraf die Okupation nur 0,06 % des spanischen Wohnungsbestandes – warnen Experten, dass sich in den letzten Jahren eine Art Industrie in diesem Bereich entwickelt hat.
Laut der Tageszeitung Diario de Ibiza erklärt der auf Immobilienrecht spezialisierte Anwalt Enrique Oltra, dass es Personen gebe, die gezielt leerstehende Wohnungen ins Visier nehmen. Sie verschaffen sich Zugang, tauschen die Schlösser aus, installieren Alarmanlagen oder Kameras – und bieten die Wohnungen anschließend Dritten zur Miete an. Manche unterschreiben sogar scheinbar legale Verträge. „Es gibt Menschen, die daraus ihren Lebensunterhalt machen“, betont Oltra.
Einige setzen noch weiter auf Täuschung: So werden Kinderfotos, Kinderbetten und persönliche Gegenstände platziert, um einen Anschein von Legitimität zu erzeugen. Andere bestellen Tage vor der Besetzung Essen nach Hause und bewahren die Quittungen auf, um bei einer Polizeikontrolle den Eindruck zu erwecken, sie lebten bereits länger dort.
Auch der Auszug kann zum Geschäft werden. Laut Oltra verlangen manche Gruppen zwischen 3.000 und 6.000 Euro, um eine Wohnung wieder freizugeben – in Extremfällen sogar bis zu 40.000 Euro. Zudem ziehen sich viele Fälle über Monate hin – durch die langsame Bürokratie und das Ausschöpfen juristischer Mittel gewinnen die Besetzer Zeit.
2024 wurden auf den Balearen 514 Fälle von Besetzungen gemeldet – rund hundert mehr als im Jahr zuvor. Landesweit betraf das Problem 16.400 Wohnungen.
Oltra kritisiert, dass der Ursprung des Problems auch im Mangel an sozialem Wohnraum liege: „Der Staat schützt die Eigentümer nicht ausreichend und überlässt ihnen die Last, das Problem selbst zu tragen.“










