
Roger Sanchez gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Figuren der internationalen House-Szene. Im Sommer 2026 übernimmt der New Yorker DJ und Produzent eine Residenz bei Flower Power im Pacha. Im Gespräch mit Journalist Juan Suárez in der Tageszeitung Diario de Ibiza spricht er über seine Pläne, die Zukunft der legendären Party und den Einfluss von Technologie auf die Musikkultur.
Was erwartest du von diesem Sommer?
Für mich wird es ein sehr intensiver Sommer. Mein neues Album „Spectrum“ erscheint, dazu kommt meine exklusive Residenz bei Flower Power und weitere Auftritte im Rahmen der Veranstaltungen der Pacha Group.
Wie viele Auftritte wirst du bei Flower Power spielen?
Vom 13. Juni bis zum 29. August werde ich regelmäßig bei Flower Power auflegen. Außerdem werde ich als Gast bei anderen Events mit Künstlern wie Sonny Fodera, Marco Carola, Gordo und weiteren DJs auftreten.
Wie gehst du diese neue Aufgabe bei einer der ikonischsten Partys Ibizas an?
Das Spannende ist, dass ich mich noch sehr gut daran erinnere, wie Flower Power vor rund 30 Jahren war. Damals standen Musik der 60er-, 70er- und 80er-Jahre im Mittelpunkt – von Funk bis Rock’n’Roll. Heute möchte ich diesen Geist bewahren, ihn aber aus einer modernen Perspektive betrachten und mit den Sounds der 90er- und 2000er-Jahre verbinden.
Was ist die Grundidee dahinter?
Ich möchte die Atmosphäre, die Energie und die Essenz jener besonderen Jahre zurückbringen. Es geht darum, die Gefühle wieder aufleben zu lassen, die ich selbst damals bei meinen Sessions erlebt habe. Für mich fühlt es sich fast wie eine Heimkehr an.
Welche Neuerungen sind geplant?
Bei jeder Veranstaltung wird es besondere Gäste geben. Künstler wie Marco Carola, Luciano oder Armand Van Helden werden dabei sein. Sie sollen Dinge ausprobieren, die sie normalerweise in ihren Sets nicht spielen, aber perfekt zum Spirit von Flower Power passen.
Wird die Musik weiterhin von den großen Klassikern geprägt sein?
Teilweise, aber nicht ausschließlich. Wenn wir heute 30 Jahre zurückblicken, landen wir in den 90er-Jahren. Viele Menschen verbinden damit House-Musik und die großen Hits der 2000er. Wir werden bekannte Songs neu interpretieren und ihnen einen modernen Charakter geben. Wichtig bleibt die Leidenschaft auf der Tanzfläche und die Verbindung zwischen Publikum und Musik.
Welche Rolle übernimmst du persönlich?
Ich werde die musikalische Leitung übernehmen und die Gast-DJs dazu motivieren, neue Wege zu gehen. Dabei spielen klassischer House, Disco und andere musikalische Elemente eine wichtige Rolle. Ich werde gewissermaßen das Steuer dieser legendären Party in der Hand halten.
Kann man das Konzept als „Flower House Power“ bezeichnen?
Vielleicht eher als „Flower Power House“ oder „Flower Power in the House“.
Möchtest du das Tanzen wieder stärker in den Mittelpunkt rücken?
Absolut. Ich möchte die Menschen daran erinnern, den Moment zu erleben, statt ihn ständig mit dem Handy aufzuzeichnen. Die wahre Magie entsteht durch die Interaktion mit der Musik und den Menschen um uns herum. Das war schon immer die eigentliche Idee von Flower Power.
Wie läuft deine Karriere derzeit?
Sehr gut. Ich arbeite intensiv an meinem Album „Spectrum“, das Anfang Juni erschienen ist. Außerdem habe ich mit Künstlern wie Melanie C zusammengearbeitet. Ich bin weiterhin voller Energie und freue mich darauf, neue Projekte umzusetzen und die Verbindung zwischen Künstlern und Publikum zu stärken.
Wie bewertest du die Entwicklung der Musik in den vergangenen Jahrzehnten?
Technologie und soziale Medien haben alles verändert. Früher entdeckten viele Menschen Musik über das Radio oder lokale Szenen. Heute geschieht vieles online. Dadurch ist ein Teil der direkten Verbindung verloren gegangen. Gleichzeitig gibt es aber auch junge DJs, die wieder mehr Wert auf den Klang und das eigentliche Musikerlebnis legen.
Wo stehen heute Rhythmus und Melodie?
Lateinamerikanische Musik erlebt derzeit einen starken Aufschwung. Flamenco, lateinamerikanische und karibische Einflüsse verschmelzen zunehmend mit anderen Stilrichtungen. House-Musik ist heute eine der wichtigsten populären Musikformen, daneben wachsen auch Genres wie Reggaeton und Techno weiter. Das ist eine sehr positive Entwicklung.
Vermisst du das Ibiza der 80er- und 90er-Jahre?
Das war eine Zeit voller Entdeckungen. Alles war neu und überraschend. Natürlich vermisse ich einiges davon. Gleichzeitig sehe ich heute eine neue Generation, die ihre eigenen Erfahrungen macht und Ibiza auf ihre Weise entdeckt. Das hat ebenfalls seinen Wert.
Nutzt du künstliche Intelligenz für deine Musik?
Weniger als viele andere Künstler. Ich verwende sie als Werkzeug, um neue Klänge oder Möglichkeiten zu entdecken. Im kreativen Prozess selbst arbeite ich aber lieber eigenständig, weil ich meinen eigenen Stil und meine eigene Handschrift einbringen möchte.
Wird künstliche Intelligenz die Art verändern, wie wir Musik erleben?
Menschen suchen nach menschlicher Verbindung. KI kann Musik als Hintergrund erzeugen, aber sie kann nicht die Geschichte, die Persönlichkeit und die Emotionen eines Künstlers ersetzen. Genau diese Authentizität und dieser Ausdruck machen Musik für viele Menschen so besonders.











Monkey Ibiza: Ibizas angesagtestes Partyrestaurant in der Sant Antoni Bucht