
Im Estudi Tur Costa öffnet heute eine Doppelausstellung, wie die Tageszeitung Diario de Ibiza berichtet. Sie vereint zum einen die späten Werke von Rafael Tur Costa aus den Jahren 2001 bis 2012 und zum anderen eine Auswahl jener Kunstwerke zahlreicher befreundeter Künstler, die Tur Costa und seine Partnerin, die deutsche Kunstprofessorin und Keramikerin Anneliese Witt, über Jahrzehnte hinweg in ihrem Zuhause gesammelt haben.
Die Kuratorin Helena López Pezzi übernahm die Auswahl beider Ausstellungen und arbeitete dabei eng mit dem Kulturpromotor Manolo Oya zusammen. Marcos Tur Witt, Sohn des Künstlerpaares und gemeinsam mit López Leiter der Galerie in Jesús, erklärt, dass López die Idee hatte, einen Teil jener Arbeiten zu zeigen, die Tur Costa und Witt im Laufe ihres Lebens durch Geschenke, Tauschgeschäfte und Käufe zusammengetragen hatten. Passend dazu trägt die Schau im ehemaligen Atelier des Malers den Titel „Amigos“. Insgesamt sind im Raum Es Taller 55 Werke zu sehen: Öle, Acrylbilder, Arbeiten auf Leinwand, Holz und Papier, Collagen, Fotografien, Serigrafien, Lithografien, Tintenzeichnungen, Tempera-Arbeiten, Keramiken und Skulpturen. Die Ausstellung umfasst Werke bedeutender nationaler und internationaler Künstler des 20. Jahrhunderts, darunter Manolo Millares, zentraler Vertreter der spanischen Kunstströmung Informel, und Antonio Saura, ein wichtiger Name der europäischen Abstraktion. Hinzu kommen Arbeiten von Gerd Winner, José Manuel Broto, Manuel Hernández Mompó und Pierre Dmitrienko. Viele dieser Künstler hielten sich zeitweise auf Ibiza auf, um sich von den europäischen Avantgarden inspirieren zu lassen, die auf der Insel – einem „kleinen Freiheitsort während der Franco-Zeit“ – präsent waren.
Auch Werke ibizenkischer Künstler sind vertreten: Antoni Tur Gabrielet (Bruder von Rafel Tur Costa), Antoni Marí Portmany, Carles Guasch, Pere Planells sowie Arbeiten von Kunstschaffenden, die lange auf den Pitiusas tätig waren: Adrián Rosa, Erwin Bechtold, Hans Laabs, Eduard Micus, Gilbert Herreyns, Erwin Broner und Cis Lenaerts. Für Marcos Tur Witt, der mit all diesen Werken aufgewachsen ist, besitzen viele davon starken emotionalen Wert. Besonders hebt er drei Arbeiten seiner Mutter hervor: zwei Ölgemälde aus 1957 und 1961 sowie eine Lithografie aus 1959, die eine Straße im Viertel sa Penya darstellt.Zu den persönlichen Schätzen zählen außerdem Arbeiten enger Freunde der Familie wie Herreyns, Micus, Rosa, Leopoldo Irriguible oder Laabs. Ein Werk von Hans Laabs, das seit jeher im Wohnzimmer hing und dessen rosa Töne und puppenartige Figur den jungen Marcos faszinierte, ist ebenfalls Teil der Schau. Insgesamt werden drei Arbeiten von Laabs gezeigt sowie drei von Irriguible, darunter eine hängende Installation, die einst die Treppe im Familienhaus schmückte.
Die Ausstellung war für das Team auch Anlass, zahlreiche Werke zu restaurieren und neu zu rahmen. So wurde ein Stillleben aus den 1970er Jahren von Adrián Rosa für diese Ausstellung vom Künstler selbst aufgearbeitet. Zu sehen sind auch Geschenke, wie eine Widmungslithografie von Enrique Salamanca an Witt oder eine Lithografie von Marcel Floris, die Tur Costa zu seinem 70. Geburtstag erhielt.
Unter den Raritäten der Sammlung befindet sich ein Originalporträt von 1965 des Schriftstellers und Drehbuchautors Alfredo Mañas, Vater des Regisseurs Achero Mañas. Eine weitere Besonderheit ist ein Werk des Dichters Rafael Alberti aus dem Jahr 1968 – seine erste Berufung galt Zeichnung und Malerei. Tur Witt berichtet, dass sein Vater mit Alberti schriftlich in Kontakt stand. Auch ein Werk des lokalen Dichters Jean Serra, der ebenfalls zeichnete und malte, ist Teil der Auswahl. Die Ausstellung „Amigos“ schließt mit drei Skulpturen von Franco Monti, Acisclo Manzano und Rafaela Pareja. Letztere gelangte als Austauschstück eines ehemaligen Keramikgaleristen von Ibiza, Dols Ceramistes, in den Besitz von Tur Costa und Witt. Parallel dazu präsentiert die Hauptgalerie eine Auswahl von elf Werken aus den Jahren 2001 bis 2012, einer Phase, in der Tur Costas Malerei eine lichtdurchflutete, präzise Reife erreichte. Seine Collagen und reduzierten Kompositionen, aufgebaut in transparenten Schichten, zeigen eine zunehmend architektonische Bildsprache, erläutert Kuratorin López.
Die Künstlerin und Keramikerin Anneliese Witt, Ehefrau von Rafel Tur Costa,verstarb im Mai 2018 im Alter von 83 Jahren . Bekannt wurde sie durch ihre jahrzehntelange Tätigkeit als Kunstpädagogin in ihrer Akademie Infantart (1977–2000), durch die zahlreiche ibizenkische Kinder und Jugendliche gefördert wurden. Witt, 1935 in Berlin geboren, kam 1955 erstmals nach Ibiza, wo sie Tur Costa kennenlernte – eine Begegnung, die ihr Leben und Werk maßgeblich prägte.
Die Werke Tur Costas stehen zum Verkauf, jene der Ausstellung „Amigos“ hingegen nicht. Die Doppelausstellung ist bis Frühjahr im Estudi Tur Costa zu sehen; Besuche sind nach telefonischer Anmeldung unter 689 591 641 möglich.
Die Tageszeitung stellt —->HIER<—- eine Bildergalerie zur Verfügung













