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Wohnungsnot

Mieten auf Ibiza weit von Referenzwerten des Wohnungsbauministeriums entfernt

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Foto: Diario de Ibiza

Wer nicht unbedingt auf Ibiza leben muss, der macht um die Insel der Reichen und Schönen einen großen Bogen. Das gilt zahlreichen Medienberichten zufolge für Staatsangestellte wie Polizisten, Lehrer und Pflegepersonal, aber auch die Privatwirtschaft klagt zunehmend über Personalmangel. Der Grund ist jeweils schnell ausgemacht: Die Mieten auf Ibiza kann sich schlicht kein Normalverdiener mehr leisten.

Weil der Trend mit sozialem Sprengstoff nicht nur auf Ibiza zu beobachten ist, sondern auch in anderen Ballungszentren des Landes, versucht die sozialdemokratische Regierung in Madrid seit Monaten gegenzusteuern. Bislang mit bestenfalls mäßigem Erfolg. Ende Februar stellte sie einen Mietspiegel vor, der als Referenz gelten soll. Darin, so die Idee, sollen künftig ferner Bereiche definiert werden, in denen der Wohnungsmarkt besonders angespannt (mercado residencial tensionado) ist. Blickt man auf die Internetseite des Ministeriums für Wohnungsbau, ist bis zum heutigen Tag allerdings noch kein einziger Wohnbereich als solcher ausgemacht.

Für normalen Wohnraum steht auf einer Internetseite des Ministeriums aber ein Berechnungssystem bereit, das nach Eingabe der Adresse und zahlreicher anderer Informationen zur Wohnung zwei Referenzwerte ausspuckt: einen unteren und einen oberen Mietpreis, soll heißen, zwischen diesen beiden Werten soll sich die tatsächliche Miete bestenfalls bewegen. Rechtlich verbindlich ist dieser Mietspiegel aber nicht.

Die Tageszeitung Diario de Ibiza machte die Probe aufs Exempel und wendete den Referenzwertrechner auf mehrere konkrete Wohnangebote an, die dem Onlineportal Idealista entnommen wurden. Das Ergebnis: Der tatsächlich geforderte Mietpreis lag bestenfalls 95 Prozent über dem unteren Referenzwert, im schlimmsten Fall aber 254 Prozent über dem oberen Referenzwert. Beispiel gefällig? Eine 61 Quadratmeter große Einzimmerwohnung in der Calle de la Mare de Dèu in La Marina (Eivissa). Wer einen Jahresvertrag anstrebt, muss laut Anzeige bereits sein, auch ein Jahr Miete vorzustrecken, macht dann bei 2.000 Euro monatlich 24.000 Euro. Laut dem Wohnungsbauministerium liegt der untere Referenzwert bei 602 Euro, der obere bei 881 Euro.

Das ungleiche Verhältnis, so die Zeitung, ziehe sich durch sämtliche Wohnungsvergleiche. Nach dem 2023 verabschiedeten neuen Mietgesetz finden diese Referenzwerte nur Anwendung, wenn es sich um Wohnungen handelt, die sogenannten Großeigentümern (grandes tenedores) gehören. Zu diesen zählt, wer mehr als zehn Wohnungen besitzt. Ein weiteres Problem bei der Umsetzung des neuen Mietgesetzes ist, dass nicht jede Region mitspielen möchte. Die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens (Volkspartei, PP) lehnte bereits ab, für die Insel Bereiche mit angespanntem Wohnungsmarkt zu deklarieren.

Fazit: In Madrid ist zwar ein politischer Wille, die exorbitanten Mieten in manchen Städten zu bekämpfen durchaus erkennbar. Bei der Umsetzung des neuen Mietgesetzes blocken aber so manche Regionen, darunter die Balearen, aus parteipolitischen Gründen ab.

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