
Die Insel Ibiza hat im Jahr 2024 durch Leitungsverluste in den kommunalen Verteilnetzen eine Wassermenge eingebüßt, die der Jahresproduktion der Entsalzungsanlage von Vila entspricht. Laut der Tageszeitung Diario de Ibiza beruht diese Zahl auf einem Bericht der Alianza por el Agua, der Allianz für nachhaltige Wasserwirtschaft. Insgesamt gingen 4,38 Hektometerkubikmeter – rund 4,38 Milliarden Liter – verloren. Diese Menge entspricht dem Jahresverbrauch von rund 94.000 Menschen.
Die Ursachen sind vielfältig: geborstene Rohre, defekte Dichtungen, Abnutzung der Netze, überlaufende Wassertanks oder technische Störungen. Besonders brisant: Die Verluste übersteigen sogar den gesamten Jahresverbrauch der Landwirtschaft auf Ibiza, der sich auf 3,3 Hektometerkubikmeter beläuft. Angesichts der aktuellen Dürrewarnung und der prekären Lage für die Bauern sei das, so die Kritik, ein kaum tragbarer Zustand.
Rafa Tur, Sprecher der Alianza por el Agua, warnt: «Bevor man neue Entsalzungsanlagen baut, muss man diese Lecks beheben. Wir haben die Grundwasserbrunnen bereits ausgebeutet und versalzen. Die Gemeinden brauchen sofortige Notfallpläne, mit klaren Maßnahmen und Investitionen in den kommenden sechs Monaten.»
Einige Rathäuser schneiden dabei besser ab als andere: Während Sant Joan (6,18 % Verluste) und Sant Antoni (16,35 %) die Vorgaben des balearischen Wasserplans erfüllen, weist Sant Josep mit 34,55 % die schlechteste Bilanz auf – mehr als 1,6 Hektometerkubikmeter, entsprechend 680 olympischen Schwimmbecken. Santa Eulària liegt bei 27,2 %, Vila bei 21,78 %.
Besonders kritisch ist die Lage in Santa Eulària, wo die hohe Abhängigkeit von Grundwasserquellen zu einer direkten Überlastung der Aquifere führt. Allein im November 2024 stammten nur 37 % des Trinkwassers dort aus der Entsalzungsanlage, der Rest – fast 193.000 Tonnen – wurde aus Brunnen gefördert.
Die Alianza mahnt, dass Investitionen in Leitungsnetze nachhaltiger und schneller wirksam seien als der Bau einer neuen Entsalzungsanlage, die zehn Jahre in Anspruch nehmen würde. Zudem müsse dringend die Salzwasserintrusion in die Abwassernetze gestoppt werden, da sie die Wiederverwendung des aufbereiteten Wassers für die Landwirtschaft verhindert.
All diese Maßnahmen seien bereits in den „Pactos por el Agua de Eivissa“ von 2019 und 2023 festgeschrieben – Vereinbarungen, die alle Parteien der Insel unterschrieben haben.











