
Rund 60 Menschen mit Beeinträchtigung und in sozialer Ausgrenzung haben am Dienstag in Sant Antoni eine besondere Musiktherapie-Sitzung erlebt. Wie die Tageszeitung Diario de Ibizaberichtet, brachte der deutsche Geiger Linus Roth Werke von Antonio Vivaldi, Johann Sebastian Bach und Niccolò Paganini zu Menschen, die normalerweise keinen Zugang zu klassischen Konzerten haben. Unterstützt wird die Initiative vom Rathaus und dem Club Nàutic de Sant Antoni, der den Raum für das Konzert zur Verfügung stellte.
Bereits mit den ersten Tönen aus Vivaldis „Sommer“ richtet sich die volle Aufmerksamkeit auf Roths Instrument – eine historische Stradivari-Geige aus dem Jahr 1703, fast 300 Jahre alt. Die Teilnehmer stammen von verschiedenen Organisationen, die sich um Menschen mit Behinderungen und solche, die unter sozaler Ausgrenzung leiden, kümmern.
Nach dem „Sommer“ folgt der „Frühling“. Einige Zuhörer reagieren emotional, Zwischenrufe sind zu hören, vereinzelt setzt Applaus ein. Auch außerhalb des Saales bleiben Neugierige stehen, angelockt von den Klängen. Zwischen den Stücken erklärt Roth Details zu Musik und Instrument: „Die Geige braucht keine Verstärkung, keinen Strom.“ Als er auf das Alter seines Instruments hinweist, geht ein hörbares Staunen durch den Raum.
Im weiteren Verlauf widmet sich Roth Werken von Paganini, die er als sehr schwierig beschreibt. Ein verfrühter Applaus während einer längeren Pause sorgt für einen kurzen Moment der Heiterkeit.
Vor den abschließenden Stücken von Bach haben die Teilnehmer Gelegenheit, Fragen zu stellen. Alberto von Amadiba möchte wissen, wie eine Geige gestimmt wird – Roth demonstriert es direkt. Auf die Frage, seit wann er spiele, antwortet er: „Seit ich sechs Jahre alt bin.“ Heute ist er 48 – 42 Jahre Musikerfahrung. Gefühle beim Spielen? „Das hängt vom Stück ab – Traurigkeit bei trauriger Musik, Freude bei fröhlicher.“
Nach dem Konzert bilden sich kleine Gruppen für Fotos. „Er hat so gut gespielt“, sagt eine junge Zuhörerin. Mehrere Teilnehmer äußern den Wunsch, Roth auf YouTube zu sehen. Auch wer sonst keine klassische Musik höre, sei begeistert.
Der Stadtrat für Jugend, Soziales, Gleichstellung und Bürgerbeteiligung, Jorge Nacher, betont, Ziel solcher Initiativen sei es, Musik dorthin zu bringen, wo Menschen sie sonst nicht erleben können. Es handle sich bereits um das zweite Konzert dieser Art mit Roth und der Psychopädagogin Emma Torres.
Torres hebt die therapeutische und verbindende Kraft klassischer Musik hervor. Studien belegten positive Effekte auf neurologische Stimulation, Spannung, Gedächtnis und Psychomotorik, insbesondere bei Menschen in vulnerablen Lebenslagen. Für deutlich sichtbare Ergebnisse sei jedoch eine regelmäßige Durchführung – etwa zweimal wöchentlich – ideal.












