
Der Inselrat von Ibiza wird keine spezielle Residenz für unbegleitete minderjährige Migranten errichten. Laut Informationen der Tageszeitung Periódico de Ibiza y Formentera hat Inselratspräsident Vicent Marí den Bau und Betrieb einer solchen Einrichtung ausdrücklich ausgeschlossen. Nach Angaben des Consell d’Eivissa stehen derzeit 110 minderjährige Migranten unter der Vormundschaft der Institution. Hinzu kommen rund 100 Kinder und Jugendliche aus Ibiza, die ebenfalls vom Inselschutzsystem betreut werden müssen. Die Kapazitäten seien damit nahezu ausgeschöpft.
Vicent Marí warnte davor, Ibiza als Ziel irregulärer Migration zu „normalisieren“. Eine solche Entwicklung würde bedeuten, dass sich die Institution „geschlagen gibt“. Er betonte, er weigere sich, dies zu akzeptieren, und äußerte die Hoffnung, dass der spanische Staat künftig entschiedener handle und die Außengrenzen stärker schütze. Der Präsident weist seit Monaten darauf hin, dass der Inselrat die stetig steigende Zahl unbegleiteter Minderjähriger nicht dauerhaft bewältigen könne. Setze sich die aktuelle Entwicklung fort, drohe ein Kollaps der Kinderschutzdienste. Es fehlten Personal, Platz und Ressourcen, um den Betroffenen die Betreuung zukommen zu lassen, die ihnen zustehe. Marí unterstrich, dass es sich dabei nicht nur um ein lokales oder nationales Problem handle, sondern um eine europäische Herausforderung, die klare und konsequente Migrationspolitiken erfordere. Ohne wirksame Maßnahmen könne die Situation nicht kontrolliert werden. Obwohl der Inselrat gesetzlich verpflichtet sei, die Vormundschaft für diese Minderjährigen zu übernehmen – trotz fehlender Zuständigkeit im Bereich Migration –, sehe er sich ebenso in der Pflicht, die Überlastung der öffentlichen Dienste offen zu benennen. Die staatliche Untätigkeit wirke sich laut Marí auch auf Sicherheitskräfte und Justiz aus, die bei jeder Ankunft eines Bootes aktiviert werden müssten. Gleichzeitig sprach er den Mitarbeitenden des insularen Jugendhilfedienstes seine Anerkennung aus. Sie seien aber inzwischen stark überlastet, was sich zunehmend auf ihren Berufsalltag und ihre Motivation auswirke.














