
Laut der Psychologin Marta Martínez von Médicos del Mundo werde Ibiza international oft mit einer Geschichte von Partys, Drogen und Prostitution vermarktet. Dies sagte sie bei ihrem Vortrag während der II. Psychologie‑Tage der Balearen, die vom Berufsverband der Psychologen der Balearen im Kulturzentrum von Jesús organisiert wurden, so die Tageszeitung Diario de Ibiza.
Rund 90 Prozent der Frauen, die auf Ibiza Opfer von Prostitution und sexueller Ausbeutung sind, stammen aus Südamerika. Wie aus Daten der Hilfsorganisation Médicos del Mundo hervorgeht, kommt der größte Teil der betroffenen Frauen aus Kolumbien. Allein sechs von zehn Opfern auf der Insel stammen aus diesem Land, gefolgt von Venezuela mit mehr als 15 Prozent. Martínez betonte, dass Médicos del Mundo derzeit die einzige Organisation auf Ibiza sei, die direkt mit Frauen arbeite, die Opfer von sexueller Ausbeutung geworden sind. Die Organisation definiere Prostitution als „eine Form männlicher Gewalt und den maximalen Ausdruck von Geschlechterungleichheit“. Gleichzeitig sei das Thema auf der Insel nur wenig erforscht und häufig von verzerrten Darstellungen im Internet geprägt. Auf manchen Plattformen werde Prostitution sogar als attraktives Geschäftsmodell dargestellt – ein Bild, das laut Martínez nichts mit der Realität der Betroffenen zu tun habe. Die häufigste Altersgruppe der betreuten Frauen liegt zwischen 25 und 34 Jahren, gefolgt von der Gruppe der 35‑ bis 44‑Jährigen. Weitere Fälle betreffen Frauen zwischen 18 und 24 sowie zwischen 45 und 54 Jahren. Besonders alarmierend sei laut der Psychologin, dass in 99,9 Prozent der Fälle Hinweise auf sexuellen Missbrauch in der Kindheit oder familiäre Gewalt gefunden werden. Diese Erfahrungen seien ein entscheidender Risikofaktor für den späteren Einstieg in die Prostitution. Auch die psychologischen Folgen erschweren häufig den Ausstieg aus der Ausbeutung. Viele Betroffene hätten Schwierigkeiten, ihre Situation realistisch einzuschätzen, da traumatische Erfahrungen ihr Selbstbild geprägt hätten. Ein weiteres Hindernis sei die emotionale Abhängigkeit von den Tätern oder Kunden. In manchen Fällen könne der Freier sogar zur einzigen Bezugsperson werden, erklärte Martínez.
An der Veranstaltung nahm auch die Psychologin Beatriz Jiménez teil, die beim balearischen Hilfsdienst für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt arbeitet. Dieser Dienst bietet eine kostenlose 24‑Stunden‑Hotline (900 178 989) für Betroffene von körperlicher, psychischer, sexueller oder wirtschaftlicher Gewalt. Die Fachleute betonen, dass viele Frauen zunächst ohne klares Bewusstsein über die erlittene Gewalt Hilfe suchen. Ziel der Unterstützung sei es daher vor allem, das Selbstwertgefühl wieder aufzubauen und den Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht allein sind.











