
Die traditionsreiche Marke Licores Aniseta feiert ihr 100-jähriges Bestehen – und wie die Tageszeitung Diario de Ibiza erzählt, hat der Name Aniseta nichts mit dem Kraut Anis zu tun. „Das glauben alle, aber es stimmt nicht. Der Name stammt von einem Vorfahren namens Aniceto„, erklärt David Ferrer Sunder‑Plassmann, der heute in vierter Generation das Familienunternehmen führt.
Viele Einwohner erinnern sich noch an die alte Fabrik in der Avenida de Santa Eulària, gegenüber der Formentera‑Anlegestelle. Das schlichte Gebäude hielt sich dort bis weit ins 20. Jahrhundert, während das Gebiet rundherum von Neubauten erobert wurde. Ganz anders sah es zu der Zeit aus, als Davids Vater Fernando als 14‑Jähriger dort anfing: Nebenan standen die alte Eismaschine, verschiedene Warenlager und sogar ein Schlachthof. Vor 21 Jahren zog das Unternehmen in den heutigen Standort nach Can Bufí.
Doch die Wurzeln der Familie reichen noch weiter zurück. Der ungewöhnliche Vorname Aniceto wurde über Generationen zum Hausnamen Ca s’Aniseta. Der erste dokumentierte Familienbetrieb war eine Kohlenhandlung im Carrer des Passadís im historischen Stadtkern. Damals war Holzkohle das wichtigste Brennmaterial der Haushalte in Vila. Später eröffnete die Familie ein Lebensmittelgeschäft an der Ecke Farmacias/Manuel Sorà, das schließlich in die Nähe des Mercat Vell umzog.
Dort verkaufte José Ferrer Cardona – der Großvater von Fernando – alles: Zucker, selbst gerösteten Kaffee und auch Petroleum. Über der Eingangstür prangte schon damals gut sichtbar das Wort „licores“. Seine Söhne Vicent und Joan begannen schließlich, Spirituosen exklusiv auf der ganzen Insel zu vertreten, darunter Martini. In den 1920er‑Jahren fuhren sie bereits mit dem Auto über die Dörfer, und ihre Ausbildung in Barcelona legte den Grundstein für die spätere Destillation. 1925 begannen José Ferrer und seine beiden Söhne schließlich selbst mit der Herstellung von Likören in einem angemieteten Lagerhaus in der Avenida de Santa Eulària. In Can Bufí wird bis heute das mehr als hundert Jahre alte erste Destilliergerät aufbewahrt.
Licores Aniseta wurde zum Markennamen – doch es gab weitere Bezeichnungen: Der Brandy wurde als Coñac Demon verkauft, stets mit einem kleinen Teufelchen auf dem Etikett. Andere Produkte trugen den Namen des Gründers J. Ferrer Cardona. Als Fernando Ferrer als junger Mann fest im Betrieb einstieg, entwickelte er in den 1970er‑Jahren neue Produkte wie Cremeliköre aus Minze, Kaffee, Kakao oder Banane – viele verschwanden jedoch wieder vom Markt. Beliebt waren zudem die Spirituosen à la granel, bei denen die Kunden eigene Flaschen mit Kräutern füllten und mit Anislikör aufgießen ließen. Aus dieser Tradition entstand die Idee, fertige Flaschen mit Mejorana, Orégano, Tomillo und Romero zu füllen – so, wie man die Hierbas Ibicencas heute kennt.
1996 setzte Fernando sich für den Schutz der Hierbas Ibicencas als geografische Bezeichnung ein, um Nachahmungen von Mallorca zu verhindern. Heute besitzt das Produkt einen EU‑weiten geographischen Markenschutz.
David Ferrer führt das Unternehmen inzwischen weiter und hält einige Klassiker im Sortiment: Palo, den Rosmarinlikör Rumaniseta, einen Zitronenlikör, Café Caleta, ein Thymianlikör namens Flor des Camp, eine Premium‑Gin‑Linie – und natürlich die Hierbas Ibicencas, die rund 85 % der Produktion ausmachen. Neben den klassischen, handwerklichen und trockenen Varianten hat er zum Jubiläum eine besonders hochwertige Edition mit kurzem Mazerationsverfahren herausgebracht. „Sie kommt unglaublich gut an“, sagt er. In den letzten Jahren hat die Marke Märkte in Belgien, Italien, den Niederlanden und Luxemburg erschlossen. „Mehr wollen wir nicht wachsen, dafür fehlt uns die Kapazität. Aber eine stärkere Präsenz auf dem spanischen Festland wäre schön“, betont David. Zum 100‑jährigen Jubiläum blickt er mit Stolz zurück: „Ein Jahrhundert schafft man nur, wenn man schwierige Zeiten übersteht. Wenn wir so lange bestehen, muss etwas richtig gemacht worden sein.“















