
Nach fast einem Jahr ohne einen Tropfen Wasser in den Kanälen des Bewässerungssystems von es Broll in Buscastell führt das uralte Hydrauliknetz wieder Wasser. Seit etwa zwei Wochen rinnt ein feiner Strom durch die Kanäle, wie die Tageszeitung Diario de Ibiza berichtet.
Passend zum Weltwassertag versammelten sich mehr als zwanzig Mitglieder der Bewässerungsgemeinschaft von es Broll zur traditionellen Reinigungsaktion. Mit Hacken und Schaufeln räumten sie Kalk, Schlamm und Wildwuchs aus den gemauerten Wasserläufen. Sogar die Kleinsten halfen mit ihren Spielzeuggeräten, vor allem beim „Rettungseinsatz“ für Frösche, die dort leben – wenngleich es dieses Jahr aufgrund der anhaltenden Trockenheit kaum Amphibien zu sehen gab.
Die aktuelle Lage ist angespannt: Ibiza befindet sich seit Monaten in einer Vorwarnstufe wegen Dürre. Die Grundwasserreserven liegen auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie 2016. Dennoch ermöglichte der Regen der letzten Wochen das Wiederaufleben des Quellwassers.
Die Kanäle waren durch das lange Austrocknen weniger verschmutzt als in früheren Jahren, sodass sich die Helfer auf die hartnäckige Kalkablagerung konzentrieren konnten – mit Hilfe eines Bohrhammers. Unter den Teilnehmenden war auch Toni Costa von sa Plana de Corona: „Letzten Sommer konnten wir überhaupt nicht bewässern. Manche mussten Wasserwagen kommen lassen, um ihre Orangenbäume zu retten.“
Auch der Bürgermeister von Sant Antoni, Marcos Serra, half tatkräftig mit. Es war nicht sein erstes Mal, wie Costa betont: „Das ist der erste Bürgermeister, der sich wirklich die Hände schmutzig macht.“ Umweltdezernentin Pepita Torres war ebenfalls dabei – ihre Familie gehört zur Bewässerungsgemeinschaft. Torres erinnerte sich an ihre Schulzeit, als Schulausflüge nach es Broll stets mit nassen Kleidern endeten.
Das Wasser von es Broll speist seit dem 13. Jahrhundert ein ausgeklügeltes System zur Bewässerung der Felder. Heute regeln Statuten aus dem Jahr 1943 (aktualisiert 2011), wann und wie die 64 Gärten bewässert werden dürfen: Jeder Hof hat ein wöchentliches Zeitfenster, in dem das Wasser genutzt werden darf. Insgesamt betrifft die Regelung 14 Hektar entlang von drei Kilometern Talstrecke.
„Alles ist notariell geregelt“, sagt Costa, der das Wasser für Kartoffeln und Gemüse für den Eigenbedarf verwendet. „Man darf nur bewässern, wenn der Hof oberhalb nicht an der Reihe ist – nie aber, wenn der darunter Wasser bekommt.“
Emeterio Moles, Leiter der balearischen Wasseragentur Abaqua, erklärt, dass die Regenmenge im ersten Quartal des Jahres doppelt so hoch sei wie im Vorjahr. 2024 fielen etwas mehr als 50 Liter pro Quadratmeter, 2025 sind es bereits über 100. Dennoch warnt er, dass dies punktuelle Regenfälle seien. Der April werde ausschlaggebend sein: „Letztes Jahr fielen im April allein 80 Liter pro Quadratmeter. Wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen, sondern müssen nachhaltige Lösungen suchen.“
Für Moles war es übrigens das erste Mal, dass er bei der Reinigung mithalf. Eingeladen wurde er von Marcos Serra: „Was gibt es Besseres, als den Weltwassertag in direktem Kontakt mit der Natur zu verbringen?“, betonte er.
Ein jahrhundertealtes System lebt weiter – mit vereinten Kräften und wachsender Sorge um die Zukunft des Wassers auf Ibiza, so die Tageszeitung.










