
Am beliebten Strand von ses Salines wiederholt sich Tag für Tag das gleiche Bild: Mehr als ein Dutzend mobile Händler ziehen mit Taschen voller Waren am Ufer entlang. Angeboten wird fast alles – von Fußballtrikots, bunten Pareos, Sonnenbrillen, Hüten und kalten Getränken bis hin zu Katalogen mit Flechtfrisuren.
Neu ist in dieser Saison vor allem die Organisation, mit der diese Verkäufer auftreten. Neben festen Lagerpunkten auf Holzstegen und im Sand haben sie ein regelrechtes Basislager eingerichtet – mit Stühlen und Sonnenschirm als Rückzugsort. Damit wirkt die Aktivität noch präsenter, berichtet die Tageszeitung Periódico de Ibiza y Formentera.
Einige Badegäste lassen sich darauf ein. Ana, die den Tag am Strand verbringt, zeigt stolz ihre Neuerwerbung: eine gefälschte Chloé-Handtasche für 50 Euro. Sie gesteht: „Eigentlich brauche ich sie nicht, aber es ist praktisch.“ Ihre Freundin Mercedes hält eine andere Tasche in der Hand, angeblich von Christian Dior, und will sie sogar umtauschen. Beide rechtfertigen ihre Käufe mit dem Hinweis, die Händler suchten lediglich eine Möglichkeit zum Überleben.
Einer dieser Verkäufer, den die Touristinnen „Juanete“ nennen, erklärt: „Jeden Tag kommt irgendwann die Polizei, vor allem in Zivil, und dann müssen wir verschwinden.“ Trotz dieser Kontrollen ist die Aktivität kaum einzudämmen. Denn solange die Touristen kaufen, bleibt die illegale Parallelwirtschaft bestehen – zum Nachteil der lokalen Unternehmer, die regulär Steuern zahlen.
So hat sich der Straßenhandel in ses Salines zu einer festen Sommererscheinung entwickelt – geduldet von manchen, abgelehnt von anderen, aber vor allem angetrieben durch Notwendigkeit und gestützt durch die Nachfrage.














