
Der Raor (Xyrichtys novacula, Schermesserfisch, Anm. d. Red.), ein unscheinbarer Fisch aus den Gewässern rund um Ibiza und Formentera, ist seit Jahren Gegenstand von Diskussionen: Handelt es sich um einen kulinarischen Schatz oder um einen überbewerteten Hype? Laut der Tageszeitung Diario de Ibiza hängt seine Beliebtheit stark mit der Fangbeschränkung zusammen, die im Jahr 2000 eingeführt wurde. Seitdem gilt der 1. September als inoffizieller Start-Tag für Hobbyangler, die in Scharen aufs Meer hinausfahren, um die begehrten Tiere zu fangen.
Für viele Freizeitfischer ist das Auslaufen am 1. September inzwischen mehr Ritual als reines Fischen. Der Fachmann für Agrarqualität des Inselrats von Ibiza, Josep Lluís Joan, meint, dass das Ausfahren mit dem Boot ist wichtiger geworden sei der Fisch selbst.
Doch der Zauber hält nur wenige Tage. „Die meisten gehen nur an diesem Tag fischen. Ich selbst vermeide das, weil es mir zu voll ist auf dem Meer“, sagt Juan Carlos Escandell, Leiter der nautischen Studien in Can Marines.
Auch beim Thema Köder zeigt sich die Tradition: Während heute koreanische Würmer gefragt sind, erinnerten sich frühere Generationen an Lammherzen oder kleine Garnelen.
Die Schutzmaßnahmen für die Art Xyrichtys novacula haben Erfolg gezeigt, doch in der Gastronomie bleibt der Raor ein Nischenprodukt. Miquel Tur, Vorsitzender des Gastronomieverbands Pimeef, betont: „Der Raor ist ein Familienfisch. Er landet selten auf Restaurantkarten, weil er sich fast ausschließlich frittieren lässt.“
Tatsächlich loben Kenner seine knusprige Haut, die direkt in heißem Öl zubereitet wird. Doch viele Profifischer, wie zum Beispiel Antoni Tur Serra, Vorsitzender der Fischerbruderschaft von Ibiza, meinen, er sei teuer, aber nicht vielseitig.
Laut Händlerin Carmen Tur von Pescados Algar sei die Nachfrage überschaubar. Viele Inselbewohner würden sich durch eigene Fänge oder durch Geschenke von Freunden eindecken
Am Ende bleibt der Kult um den Raor wohl weniger eine Frage des Geschmacks als ein soziales Ritual, das den Saisonauftakt auf dem Meer markier, so die Tageszeitung.
Ein anderer Artikel der Tageszeitung von heute beschreibt, wie die junge Ibicenca María Monfort, Enkelin von Abel Matutes, sich am 1. September an dieser besonderen Tradition beteiligt. In einem Videozeigt gibt sie eine sehr persönliche „Masterclass“.
„Heute ist der 1. September und für meine Familie, wie für viele andere Familien auf den Balearen, ein ganz besonderer Tag. Es ist der erste Tag, an dem man wieder Raors fangen darf“, erklärt Monfort, während sie auf dem Yacht-Deck des ‚Aiglón‘ ihres Großvaters spaziert. Mit einem fröhlichen „¡Hola, abuelito!“ begrüßt sie Abel Matutes, den Patriarchen der Familie.
Anschließend erläutert sie die Wahl des Köders: „Herz vom Lamm oder Wurm – oder beides. Einfach auf den Haken setzen, auswerfen und warten.“ Im Video hebt sie wenig später die Angel mit gleich zwei Fischen aus dem Meer: „Siehst du? Schon erledigt.“ Gleichzeitig warnt sie davor, dass der Raor sehr scharfe Zähne habe.
Für Monfort ist dieses Ritual mehr als nur Fischfang: „Ich finde, es ist eine wunderschöne Tradition, die hoffentlich von Generation zu Generation weitergegeben wird.“ Auch kulinarische Tipps gibt sie: „Die raors werden einfach in heißem Öl frittiert – so schmecken sie am besten.“
Ihr Freund, der MotoGP-Pilot Jorge Martín, kommentierte scherzhaft: „Me puedes pescaaaaaar? Gracias.“ (Kannst du mich fangen? Danke.“) Damit unterstreicht auch er den familiären und humorvollen Charakter dieses besonderen Tages.
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