
Die traditionellen Bootshäuser an Ibizas Küste waren einst einfache Unterstände für Fischerboote – und entwickeln sich nun zunehmend zu privaten Wohnräumen in bester Lage. Ursprünglich wurden die sogenannten Varaderos Mitte des 20. Jahrhunderts als Schutz für die traditionellen Llaüts und kleinere Boote errichtet. Heute haben viele dieser Gebäude ihre ursprüngliche Funktion verloren, so die Tageszeitung Periódico de Ibiza y Formentera. Stattdessen wurden sie ausgebaut, teilweise mit zusätzlichen Etagen, Balkonen oder modernen Materialien. Einige verfügen sogar über Wasseranschluss oder Solaranlagen – ein klarer Hinweis auf die zunehmende Nutzung als Wohnraum und nicht mehr als einfache Bootshäuser. Rechtlich befinden sich viele dieser Bauten in einer Grauzone. Seit der spanischen Küstengesetzgebung von 1988 stehen sie unter besonderer Beobachtung, da sie im öffentlichen Küstenbereich liegen und oft keine Genehmigung besitzen. Dennoch sind zahlreiche Gebäude weiterhin in Nutzung, was die Problematik zwischen Bestandsschutz und illegaler Bebauung weiter verschärft.
Ein Blick nach Formentera zeigt ein anderes Bild: Dort sind viele dieser Strukturen noch weitgehend im ursprünglichen Zustand erhalten. Bereits 2002 wurden hunderte dieser Anlagen als Kulturgut geschützt. Auf Ibiza hingegen gibt es nur wenige offiziell geschützte Anlagen, etwa in Sant Antoni oder sa Caleta, was den Unterschied im Umgang mit diesem Erbe und dessen Schutz deutlich macht. Auch Verwaltungsdaten verdeutlichen das Ausmaß: Bereits 2011 wurden auf Ibiza rund 670 solcher Bauten erfasst, viele davon stammen aus der Zeit vor 1978. Gleichzeitig kam es in den 2000er-Jahren zu mehreren Abrissaktionen illegaler Gebäude durch die Küstenbehörde. Aktuell sorgt ein neues Urteil für Aufmerksamkeit: Die spanische Audiencia Nacional hat den Abriss weiterer Anlagen in Portinatx angeordnet. Die Gemeinde will dagegen vor dem Obersten Gerichtshof vorgehen.











