
Der aus Ibiza stammende Ausdauerathlet Víctor Van den Driessche hat am vergangenen Wochenende eine außergewöhnliche sportliche Leistung vollbracht: Er umrundete die Insel entlang des gesamten Küstenverlaufs über rund 200 Kilometer in 34 Stunden ohne Unterbrechung. In einem Interview mit der Tageszeitung Diario de Ibiza berichtet er aus erster Hand über die körperlichen und mentalen Herausforderungen dieser Extremleistung.
Wie entstand die Idee zu dieser Herausforderung?
Solche Projekte entstehen nach und nach. Zuerst denkt man an kürzere Distanzen, dann an größere Wettkämpfe wie einen Ironman oder Ultratrails. Ich kann keinen konkreten Moment nennen, aber man sieht die extremen Leistungen von Athleten wie Kílian Jornet und beginnt, nach einer sehr persönlichen Herausforderung zu suchen. Mir ging es darum, die Verbindung zur Natur und zu Ibiza zu spüren, da ich hier geboren bin, meine Familie aber belgische und französische Wurzeln hat. Ich wollte mich noch stärker mit dieser Insel verbunden fühlen.
Gab es eine spezielle Vorbereitung?
Nein, und vielleicht hätte ich sie machen sollen, denn es war sehr hart. Ich kam aus einer intensiven Wettkampfsaison mit mehreren Ultraläufen in den Pyrenäen und den Alpen sowie Rennen auf Ibiza. Im Nachhinein hätte ich vermutlich weniger Wettkämpfe bestreiten sollen, um erholter an den Start zu gehen.
Wie war die Strecke organisiert?
Ich bin mit meinem üblichen Wettkampfequipment gestartet: Trail-Schuhe, zwei Uhren für den Fall eines Batterieausfalls, Rucksack, Notfalldecke, Jacke sowie Getränke und Essen für den ersten Abschnitt. Die Route war mit kurzen Stopps geplant, bei denen mich eine Person regelmäßig mit isotonischen Getränken versorgt hat.
Was war die größte Einschränkung unterwegs?
Ganz klar die Muskel- und Gelenkschmerzen. Ich war nicht mehr frisch, und die Beine haben sehr früh begonnen zu schmerzen. Ich musste das Tempo reduzieren, um nicht aufgeben zu müssen.
Gab es Momente, in denen Sie ans Aufgeben dachten?
Ja, ab dem Abschnitt bei Cala Llonga ging es mir sehr schlecht. Die Strecke war technisch anspruchsvoll, und nach einer regnerischen Nacht im Norden der Insel waren die Abstiege extrem belastend. Da habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, aufzuhören.
Was ist bei solchen Distanzen wichtiger – Körper oder Kopf?
Beides ist entscheidend. Ohne jahrelanges Training kann man sich so etwas nicht einmal vorstellen. Aber wenn der Körper sehr leidet, ist es der Kopf, der einen zwingt, einen Schritt nach dem anderen zu setzen. Die Unterstützung durch Familie und Freunde war dabei enorm wichtig.
Wie haben Sie die letzten Stunden erlebt?
Ich dachte, der Osten der Insel würde einfacher werden, weil es dort weniger Höhenunterschiede gibt. Aber als ich Cala Sant Vicent erreichte, lag noch eine Distanz vor mir, die einem Trail-Marathon entsprach. Es war ein ständiger Kampf, positiv zu bleiben und mir bewusst zu machen, dass ich das Ganze aus Freude am Erlebnis mache.
Wie kam es zu Ihrer heutigen Laufkarriere?
Zwischen 20 und 30 habe ich nur gelegentlich Trails bestritten und dann komplett aufgehört. Arbeit, Familie und Kinder ließen wenig Raum fürs Training. Mit Mitte 30 setzte ich mir das Ziel, den Mont Blanc auf Skiern zu bezwingen. Ab da begann ich konsequent zu trainieren und habe seitdem nicht mehr aufgehört. Seit rund sechs Jahren betreibe ich den Sport wettkampforientiert.
Was sind die nächsten Ziele?
Als Nächstes starte ich beim Maratón del Meridiano auf El Hierro, da ich dort eingeladen wurde. Danach möchte ich mich zunächst erholen und Zeit mit meiner Familie verbringen. Langfristig schließe ich weitere Herausforderungen nicht aus.
Welche Botschaft möchten Sie anderen mitgeben?
Große Ziele erreicht man Schritt für Schritt. Man darf nicht direkt an 200 Kilometer denken. Wichtig sind Selbstvertrauen, kontinuierliche Arbeit und der Glaube daran, dass persönliche Ziele erreichbar sind, wenn man dranbleibt.













