
Im Ferienort Sant Josep ist eine deutliche Veränderung zu spüren: Die Touristen aus der Mittelschicht, die früher jeden Sommer kamen, sind nahezu verschwunden. Viele Geschäftsinhaber beklagen Umsatzeinbußen von bis zu 40 %, wie die Tageszeitung Periódico de Ibiza y Formentera schreibt.
Die Besitzerin des seit 25 Jahren bestehenden Mode- und Accessoireladens Cactus Ibiza beschreibt die Lage als ungewohnt: „Im Frühjahr lief es gut, aber ausgerechnet in den Sommermonaten ist der Umsatz eingebrochen. Uns retten die einheimischen Kunden, aber die klassische Mittelklasse fehlt.“
Auch andere Händler sehen Ibiza zunehmend als unerschwinglich für den Durchschnittstouristen. Höhere Preise für Unterkünfte, Restaurants und Mietobjekte sorgen dafür, dass sich viele Gäste nur noch wenige Tage statt einer ganzen Woche leisten können. Selbst die zweite Julihälfte, sonst Hochsaison, verläuft schleppend.
Zudem hat sich das Profil der Urlauber verändert: Viele wohnen in Luxusvillen, geben ihr Geld für exklusive Angebote aus und meiden lokale Geschäfte. „Sie kaufen im Supermarkt, trinken einen Kaffee, aber das war es meist“, so ein Ladeninhaber.
Die Explosion der Ferienmietpreise verstärkt den Trend: „Drei Schlafzimmer für 10.000 Euro die Woche – das ist für die meisten unbezahlbar“, heißt es. Manche Eigentümer verlassen die Insel im August, vermieten ihre Häuser und kehren im ruhigeren September zurück.
Auch der Partytourismus verschärft das Problem. „Die Leute geben ihr ganzes Geld in den Clubs aus. Für kleine Läden bleibt da nichts mehr“, klagen die Geschäftsleute.
Gleichzeitig sei es schwer, Personal zu finden und zu halten. In Lokalen wie Can Bernat Vinya wechseln Mitarbeitende häufig, angelockt von minimal besseren Konditionen anderswo. Die hohen Mieten fressen fast den gesamten Lohn auf.
Can Llorenç setzt daher vermehrt auf Studenten, die in den Sommermonaten jobben. Trotzdem wurde die Belegschaft reduziert, wie die Betreiberin mitteilt.
Ibiza steht damit vor einer Herausforderung: Der Spagat zwischen Exklusivität und lokaler Lebensrealität wird zur zentralen Frage für die Zukunft der Insel, so die Tageszeitung.











