
Der US-amerikanische Produzent und DJ Todd Terry (1967, Brooklyn, New York) gilt als einer der Pioniere der House-Musik und wird oft als „Gott des House“ bezeichnet. Er arbeitete mit Michael Jackson, Jocelyn Brown, Björk, Annie Lennox und Everything But The Girl und prägte in den 80er- und 90er-Jahren das Genre mit seinem eigenen Stil. Diesen Sommer hatte er seine Residenz im Club Edén in Sant Antoni. In einem Gespräch mit Journalist Juan Suárez und der Tageszeitung Diario de Ibiza äußert er sich kritisch über die aktuelle elektronische Musikszene.
Terry erinnert sich an seine erste Reise nach Ibiza im Jahr 1994, damals für eine Show von Ministry of Sound im Pacha. Später spielte er im Café del Mar und nun regelmäßig im Edén. Über die 90er sagt er: „Die Musik war viel besser, man konnte tanzen, mitsingen und mit den Leuten interagieren. Heute fehlen Vocals und Melodien, das ist ein Verlust.“
Zur Entwicklung der Musik erklärt er: „Früher war sie authentischer, hatte mehr Soul und wurde von echten Musikern gemacht. Heute hat die Industrie die Qualität geopfert. Wir suchen jetzt wieder nach Musik mit Herz und Rhythmus.“ Am liebsten sehe er sich als Produzent, da er Musik in Farben wahrnehme: „Wenn ich kreiere, denke ich in Orange, Blau, Grün.“
Berühmt wurde Terry durch Samples und Remixes. Heute verzichtet er darauf: „Es gibt kaum noch echte Stars oder Hits, die man neu bearbeiten könnte. Die Industrie denke nur an Geld. Die Technologie ermöglicht vieles, doch das Herz fehlt.“ Auch zur Rolle der künstlichen Intelligenz meint er: „Man braucht immer das Talent des Künstlers.“ Zur aktuellen Clubszene auf Ibiza sagt Terry: „Wir haben unsere Seele verloren, alles dreht sich ums Geld. Es gibt zu viele DJs, jeder kann heute einer sein, sogar meine Großmutter. Das ist respektlos gegenüber denen, die jahrelang hart gearbeitet haben.“ Viele junge Leute seien nur mit dem Handy beschäftigt, statt zu tanzen. „Das ist eine schlechte Entwicklung für die Kunst der Musik.“
Trotz Kritik bleibt Ibiza für ihn ein magischer Ort, dessen Essenz es zu bewahren gilt: „Die Insel verliert ihre Magie, wenn alles nur auf Geld ausgerichtet ist. Die Magie ist nicht das Geld.“ Selbst beim Besuch des neuen Hyperclubs UNVRS urteilt er: „Beeindruckend, aber ohne Seele. So etwas gehört nach Las Vegas, nicht nach Ibiza.“










