
Eine Zeitreise durch Dalt Vila und die Marina führte am Wochenende Teilnehmer an die Orte, die in den 1930er-Jahren das Gesicht der Insel prägten. Der Historiker Luis Ruiz, Präsident des Fòrum per la Memòria d’Eivissa i Formentera, des Forums für Erinnerungen von Ibiza und Formentera, brachte mit einer geführten Tour die Geschehnisse der Zweiten Republik und des Spanischen Bürgerkriegs zurück ins Bewusstsein. Wie die Tageszeitung Diario de IbizaDiario de Ibiza berichtet, wollte Ruiz dabei nicht verklären, sondern alle Opfer sichtbar machen..“
Die Route begann an Can Ventosa und führte über die Marina hinauf zur Kathedrale in Dalt Vila, wo Ruiz die Erschießungen von 93 Gefangenen im September 1936 erläuterte. Er erinnerte daran, dass zeitgleich italienische Flugzeuge die Insel bombardierten. Fotos alter Luftschutzbunker und Demonstrationen vor dem früheren Sitz des Diario de Ibiza halfen, die Geschichten lebendig zu machen.
Besondere Aufmerksamkeit galt dem Baumeister Joan Gómez Ripoll, genannt Campos, der u. a. das Hotel Montesol entwarf und 1942 von den Franquisten hingerichtet wurde. Auch die Lokale des Hafens erzählten Geschichte: das sozialistische La Estrella, das vom Dichter Rafael Alberti besucht wurde, das Café Alemán mit Hakenkreuz an der Fassade oder das von jüdischen Exilanten gegründete Migjorn, ein Treffpunkt des Philosophen Walter Benjamin.
Ruiz machte zugleich deutlich, dass viele dieser Orte heute durch Ketten und Franchises ersetzt wurden – eine Entwicklung, die seiner Meinung nach die Stadt ihrer Persönlichkeit beraube. Teilnehmer bestätigten, dass die Tour nicht nur historische Fakten vermittelte, sondern auch eigene Erinnerungen weckte und die Vergangenheit greifbar machte.
Am Ende fasste Ruiz zusammen, warum diese Führungen so wichtig sind: Die Generation, die die Ereignisse miterlebte, sei verschwunden, die Erinnerungen würden verschwimmen. Umso dringlicher sei es, die Geschichten jetzt weiterzugeben – damit Ibiza seine historische Identität nicht verliert.













