
Die Ausstellung, die das Museu Puget Robert Häusser (Stuttgart, 1924–Mannheim, 2013) widmet, geht auf eine langjährige Freundschaft zurück – auf die Verbindung, die der deutsche Fotograf über Jahrzehnte mit dem Künstler Erwin Bechtold (Köln, 1925–Sant Carles, 2022) pflegte. Dessen Witwe Christina Bechtold stellte die Fotografien für die Ausstellung zur Verfügung, die an diesem Samstag, dem 11. April, um 12 Uhr unter dem Titel „Arxiu de la memòria“ („Archiv der Erinnerung“) eröffnet.
Die Kuratorin Elena Ruiz Sastre berichtet, dass Christina Bechtold ihr bei einem Besuch im Haus der Familie eine Kiste voller Schwarzweißaufnahmen zeigte, die Häusser auf Ibiza gemacht hatte. Für die Leiterin des Museums in Dalt Vila stand in diesem Moment fest, dass dieses „wunderbare Archiv“ öffentlich gezeigt werden müsse. Zwei Jahre später ist dieses Vorhaben nun Wirklichkeit geworden. „Arxiu de la memòria“, zu sehen bis zum 21. Juni, lädt dazu ein, durch die Jahrzehnte zu reisen und die Pityusen der 1960er bis 1980er Jahre durch den Blick eines Vertreters der subjektiven Fotografie zu entdecken. Ruiz erklärt, dass Häusser schon als Kind mit der Fotografie begann, nachdem ihm seine Mutter die ersten Kameras geschenkt hatte. Später prägte ihn auch die Malerei Rembrandts, dessen Spiel von Licht und Schatten großen Einfluss auf seinen Stil hatte. Wie Elena Ruiz Sastre weiter ausführt, studierte Häusser zwischen 1941 und 1942 an der Schule für grafische Künste in Stuttgart und veröffentlichte bereits erste Fotografien in der Presse. Studium und Laufbahn wurden jedoch unterbrochen, als er in die deutsche Armee eingezogen wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam er zunächst in ein amerikanisches Lager und zog später auf den landwirtschaftlichen Familienbesitz in Brandenburg, wo er als Bauer arbeitete und dies mit Studien an der Hochschule für angewandte Kunst in Weimar sowie mit fotografischer Praxis verband.
In den frühen 1950er Jahren fotografierte Häusser vor allem Landschaften und Menschen auf dem Land. Die Aufnahmen dieser Zeit seien, so Ruiz, von einem Gefühl der Einsamkeit und Verlassenheit geprägt. Ab 1952 begann mit dem Umzug in die Bundesrepublik Deutschland und der Niederlassung in Mannheim, wo er ein professionelles Studio eröffnete, eine hellere Phase seines Schaffens – mit mehr Licht, Bewegung und Ausstrahlung. In den 1970er Jahren trat das Thema Tod mit großer Wucht in seinem Werk hervor. Seine Kamera richtete sich verstärkt auf Friedhöfe, Trauerszenen, Kreuze, Ruinen und tote Tiere. In dieser Phase erhielt Häusser breite Anerkennung, und sein Werk wurde der sogenannten subjektiven oder Autorenfotografie zugeordnet. Wie die Tageszeitung Diario de Ibiza berichtet, wurden seine Arbeiten in Museen und Galerien in ganz Europa und den USA gezeigt. Fotografische Serien spielten während seiner gesamten Laufbahn eine wichtige Rolle. Besonders hervor hebt Ruiz die bekannteste Serie aus dem Jahr 1983 mit dem Titel „21 puertas de Benito Mussolini“. („21 Türen des Benito Mussolini“).
Die Freundschaft zwischen Robert Häusser und Erwin Bechtold, aus der diese Ausstellung hervorgegangen ist, entstand in den 1960er Jahren im Umfeld der Galerie Lauter in Mannheim, in der beide ausstellten. 1966 reiste Häusser nach Ibiza, war von der Insel so fasziniert, dass er in Sant Carles nahe dem Haus Bechtolds, Ca n’Andreuet, eine Finca kaufte, und lebte dort über Jahrzehnte hinweg immer wieder zeitweise. Durch den deutschen Künstler fand er Zugang zur lokalen Kulturszene und stellte bereits 1970 in der emblematischen Galerie Carl van der Voort aus. In der Ausstellung „Arxiu de la memòria“ werden die große Sensibilität des Fotografen und sein ausgeprägter Respekt für Komposition und Bildausschnitt sichtbar. Sämtliche Fotografien sind in Schwarzweiß gehalten und zwischen 1966 und 1990 auf Ibiza entstanden.
Die Ausstellung verteilt sich auf drei Säle. Im ersten Raum wird die enge Freundschaft zwischen Häusser und Bechtold anhand von Bildern aus dem Haus und Atelier des Malers sichtbar, gleichzeitig werden die Berührungspunkte im Werk beider deutscher Künstler deutlich. Um diese künstlerische Nähe sichtbar zu machen, hat Ruiz ein Werk Bechtolds, das normalerweise im MACE ausgestellt ist, neben zwei Fotografien Häussers gehängt, auf denen der in Sant Carles lebende Künstler während des Arbeitsprozesses zu sehen ist. In den beiden anderen Räumen sind Fotografien des deutschen Künstlers zu sehen, die den Hafen von Ibiza und Dalt Vila, Straßen der Altstadt, ses Salines, Kirchen wie Sant Jordi, Sant Joan oder den Puig de Missa, verschiedene ländliche Landschaften, Mühlen sowie Porträts von Kindern und älteren Menschen zeigen. Ergänzt wird die Ausstellung durch einen Katalog des Fotografen, der in einer Vitrine in Saal I gezeigt wird. Darin versammelt sich Werk aus den Jahren 1940 bis 2000, das die Entwicklung seiner Fotografie und die Vielfalt seiner Themen nachvollziehbar macht.















