
Die Geschichte der Luftfahrt auf Ibiza begann bereits im Jahr 1921. Damals erreichte ein italienisches Wasserflugzeug vom Typ Savoia S-9 die Insel. Für 50 Peseten konnten sich Wagemutige zu einem Rundflug anmelden – damals ein Vermögen, das offenbar nur fünf Ibizenker bezahlten. Pilot Umberto Guarnieri plante zu dieser Zeit eine Flugverbindung zwischen Barcelona und Palma. Ein Jahr später erhielt sogar ein Wasserflugzeug vom Typ Savoia 16 den Namen „Ibiza“, stürzte jedoch im April 1922 kurz nach dem Start in Barcelona ins Meer. Der Mechaniker überlebte, der Pilot blieb verschollen. Die Tageszeitung Diario de Ibiza zeichnet in einem ausführlichen historischen Rückblick die Anfänge der Luftfahrt auf den Pityusen und die Entwicklung bis zum heutigen Inselflughafen nach.
In den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder Pläne für einen Flugplatz auf Ibiza. 1934 war sogar eine Verbindung Palma–Ibiza–Valencia–Madrid mit einem acht Passagiere fassenden Flugzeug vorgesehen, die jedoch nie realisiert wurde. Mit Beginn des Spanischen Bürgerkriegs entstand schließlich bei Es Codolar ein provisorischer Militärflugplatz. Gleichzeitig wurde am Estany Pudent auf Formentera eine Wasserflugzeugbasis eingerichtet, die bis Ende der 1950er-Jahre genutzt wurde. Nach dem Krieg wuchs der Wunsch nach einem zivilen Flughafen. 1949 wurde Es Codolar offiziell als Flughafen ausgewiesen, doch erst 1958 begann der reguläre Ausbau und Betrieb. Anfangs bestand die Start- und Landebahn noch aus Erde; später wurde sie asphaltiert und beleuchtet. Bereits 1962 kamen mehr Reisende mit dem Flugzeug als mit dem Schiff nach Ibiza. Die Öffnung für den internationalen Verkehr im Jahr 1966 beschleunigte schließlich den touristischen Aufschwung der Insel erheblich.
Der Ausbau hatte allerdings schon damals erhebliche Auswirkungen auf Landschaft und Bevölkerung. Für den Flughafen wurden fruchtbare landwirtschaftliche Flächen enteignet, historische Gebäude verschwanden und Wasserläufe umgeleitet. Auch Sant Francesc de s’Estany wurde durch die Start- und Landebahn räumlich geteilt. Mit dem starken Wachstum des Tourismus folgten immer neue Erweiterungen. Bereits 2002 führte die Umweltorganisation GEN-GOB eine Kampagne gegen einen weiteren Ausbau. Der historische Rückblick erhält damit angesichts der aktuellen Diskussion über die geplante Erweiterung von Es Codolar besondere Aktualität: Aus einem einfachen Militärflugplatz entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte eine der wichtigsten Verkehrsdrehscheiben der Balearen.
Erwähnt wird in dem Rückblick auch Jordi Grünwald Müller, der als Elektrotechniker mit Spezialisierung auf Luftfahrt 25 Jahre lang für die elektrische Instandhaltung und die Kontrolle der Flugnavigation am Flughafen Ibiza verantwortlich war. In seinem Buch „Cuentos naïve en Ibiza“ schildert er zahlreiche Anekdoten und Erlebnisse aus dem Flughafenbetrieb, den er während seiner langjährigen Tätigkeit aus nächster Nähe kennenlernte.

Ein Wasserflugzeug auf der Werft im Hafen von Ibiza in den frühen 1920er Jahren. Quelle: Sammlung Joan Antoni Ferrer Escandell, Diario de Ibiza













