
Jeden Morgen verwandelt sich der Strand von ses Salines in einen riesigen Freiluftmarkt. Dutzende fliegende Händler ziehen mit Sonnenbrillen, Pareos, Sonnenschirmen, Getränken, Obst oder Fußballtrikots entlang der Liegetücher und bieten ihre Waren den Urlaubern an. Der Journalist Jerónimo Marín Palacios schildert in der Tageszeitung Diario de Ibiza einen Alltag, der für viele Strandbesucher längst zum gewohnten Sommerbild gehört. Wer den rund anderthalb Kilometer langen Strand entlangläuft, begegnet etwa zwanzig Verkäufern. Besonders angesprochen werden Touristen, die als kaufkräftig gelten. Angeboten werden unter anderem Sonnenbrillen bekannter Marken, Souvenirs mit Ibiza-Motiven, Sonnenschirme und zahlreiche weitere Produkte des täglichen Strandbedarfs. Die Geschäfte werden direkt am Strand abgewickelt, oft nach einem kurzen Feilschen über den Preis. Neben dem Warenverkauf werden auch Dienstleistungen wie Massagen oder das Flechten von Haaren angeboten.
Zum Angebot gehören inzwischen auch Trikots der Nationalmannschaften der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft in den USA. Besucher können sich am Strand mit den Namen von Messi, Mbappé oder Cristiano Ronaldo ausstatten. Daneben verkaufen Händler kalte Getränke, frisches Obst oder große Pareos mit Ibiza-Aufdruck. Viele der Waren stammen aus asiatischer Produktion und werden speziell für den europäischen Tourismusmarkt importiert. Die meisten Verkäufer stammen nach Angaben der Zeitung aus dem Senegal. Viele von ihnen arbeiten saisonal: Im Winter auf dem spanischen Festland, im Sommer auf den Inseln. Sie argumentieren häufig, dass ihnen ohne gültige Papiere der Zugang zum regulären Arbeitsmarkt verwehrt sei. Gleichzeitig weisen Behörden darauf hin, dass hinter dem Straßenverkauf oftmals organisierte Netzwerke stehen, die erhebliche Umsätze erzielen.
Die Gemeinde Sant Josep hat ihren Kampf gegen den illegalen Handel zuletzt deutlich verschärft. Erst in dieser Woche beschlagnahmte die Ortspolizei in Port des Torrent rund 200 gefälschte Fußballtrikots sowie nachgemachte Handtaschen bekannter Luxusmarken. Zudem wurden Bußgelder in Höhe von insgesamt 1.500 Euro verhängt. Das beschlagnahmte Material soll vernichtet werden. Die Gemeindeverwaltung verweist darauf, dass hinter dem Verkauf häufig Strukturen stünden, die Menschen unter schlechten Bedingungen ausbeuteten. Ab dem 4. Juli tritt zudem die neue Verordnung für das bürgerschaftliche Zusammenleben in Kraft. Dann geraten nicht mehr nur die Verkäufer ins Visier der Behörden. Künftig können auch Käufer mit Geldstrafen von bis zu 750 Euro belegt werden, wenn sie illegale Waren erwerben. Mit dieser Maßnahme will die Gemeinde die Nachfrage reduzieren und den Straßenhandel langfristig eindämmen. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem der Strand von ses Salines, der aufgrund seiner wohlhabenden Kundschaft seit Jahren als Zentrum des illegalen Strandverkaufs auf Ibiza gilt.












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