
Nach jahrelanger Recherche hat Toni Marí Rota einen lange verschollenen Spielfilm aus dem Jahr 1966 wieder ans Licht gebracht. Der deutsche Film „Das Klavier“, der damals auf Ibiza gedreht wurde, ist jetzt im Theater der Kirche von sa Cala gezeigt worden und wurde damit nach Jahrzehnten des Vergessens wieder öffentlich zugänglich.
Der Ausgangspunkt dieser Geschichte liegt mehr als zehn Jahre zurück. Bei Recherchen für sein Buch über sa Cala stieß Toni Marí Rota im Historischen Archiv auf einen alten Bericht über die Dreharbeiten zu einem deutschen Film im Norden der Insel. Laut der Tageszeitung Diario de Ibiza schenkte er dem Fund zunächst keine größere Bedeutung. Doch der Zeitungsausschnitt tauchte immer wieder zwischen seinen Unterlagen auf und ließ ihn nicht mehr los. Später nahm die Suche eine neue Wendung. Bei einem Besuch im Haus des Priesters Pep Negre, dessen Bibliothek wegen Bauarbeiten ausgeräumt wurde, entdeckte Marí Rota einen gehefteten Schreibmaschinentext mit dem Titel „Ein Mann auf der Suche nach einer einsamen Insel. Das Klavier“. Es handelte sich um das Drehbuch jenes Films, auf den er schon Jahre zuvor gestoßen war. Damit wurde aus einer vagen Spur ein konkretes Projekt. Von da an begann eine langwierige Recherche. Marí Rota sichtete Archive von Gemeinde und Inselrat, sprach mit Kontakten aus der Filmoteca de Catalunya, fragte Kenner der auf den Pityusen gedrehten Filme und suchte sogar in deutschsprachigen Publikationen auf Ibiza nach Hinweisen. Lange blieb die Suche ohne Ergebnis. Erst seine Tochter Neus und der Herausgeber Martin Davies stießen schließlich fast zeitgleich auf die gesuchte Filmfassung. Für 35 Euro kaufte Marí Rota den Film und konnte damit die jahrelange Suche abschließen.
Bei dem Werk handelt es sich um einen von Hajo Schedlich inszenierten Langfilm mit Günter Strack in der Hauptrolle. Erzählt wird die Geschichte eines deutschen Unternehmers, der seinem grauen Leben in der Stadt entfliehen will. Er lässt Firma, Familie und sein bisheriges Umfeld hinter sich, nimmt jedoch sein Klavier mit und reist auf eine stille Insel, um dort Frieden zu finden. Viele Szenen entstanden auf Ibiza, darunter in sa Cala, Sant Carles, Dalt Vila und im Hafen von Ibiza. In dem Film sind auch zahlreiche Menschen von der Insel zu sehen. Gerade diese lokalen Schauplätze und Gesichter machen das Werk heute zu einem besonderen Zeitdokument. Nach Einschätzung von Marí Rota wurden allerdings weniger Szenen in sa Cala gedreht als zunächst vermutet, dafür umso mehr in Sant Carles, was wohl auch mit dem aufwendigen Transport des Klaviers zusammenhing.
Die nun organisierte Vorführung in sa Cala fand im Rahmen des Festprogramms statt. Marí Rota sprach dafür mit der Festkommission und der Föderation der Tanzgruppen, wo man schnell der Meinung war, dass dieser Film unbedingt an den Ort zurückkehren müsse, mit dem er so eng verbunden ist. Gezeigt wurde die Produktion auf Spanisch synchronisiert. Marí Rota hätte sich nach eigenen Worten zwar lieber eine Fassung auf Katalanisch gewünscht, gibt die Hoffnung darauf aber nicht auf. Mit der Wiederentdeckung von „Das Klavier“ ist nicht nur ein fast verlorenes Filmstück gerettet worden. Zugleich taucht damit ein seltenes Bild Ibizas aus den 1960er Jahren wieder auf – mit Landschaften, Bewohnern und Orten, die der Film heute fast dokumentarisch festhält.
Die Tageszeitung Diario de Ibiza stellt —->HIER<—- eine Bildergalerie mit Szenen aus dem Film bereit.











