
Mit Ana Marí Torres, auf Ibiza besser bekannt als Anita vom berühmten Ca n’Anneta in Sant Carles, verliert die Insel eine ihrer bekanntesten und beliebtesten Persönlichkeiten. Laut Angaben derTageszeitung Diario de Ibiza starb Anita nur wenige Wochen nach ihrem 100. Geburtstag. Die Trauerfeier findet an diesem Dienstag in der Kirche von Sant Carles statt – nur wenige Meter von dem traditionsreichen Lokal entfernt, das über Jahrzehnte eng mit ihrem Namen verbunden war. Anita übernahm Mitte des vergangenen Jahrhunderts das damalige kleine Lebensmittelgeschäft Can Pep Benet und machte daraus das heutige Ca n’Anneta, das längst zu einem der bekanntesten Treffpunkte Ibizas geworden ist. Das Lokal wurde zu einem Ort voller Geschichte und Begegnungen – für Einheimische, Künstler, Hippies und Besucher aus aller Welt. Noch heute gehören die alten Briefkästen, Kräuterflaschen und die besondere Atmosphäre zu den bekanntesten Symbolen des traditionellen Ibiza. Nur wenige Tage vor ihrem Tod wurde das Lokal von der Acadèmia de Gastronomia d’Eivissa i Formentera als lebendige Inselgeschichte ausgezeichnet.(Wir berichteten, Anm. d. Red.)
Besonders eng war ihre Verbindung zu den Hippies, die in den 60er- und 70er-Jahren auf die Insel kamen. Viele nannten sie liebevoll „Mama“, weil sie den oft mittellosen Aussteigern half, ihnen Essen gab oder Geld lieh. Anita selbst sagte einmal, dass viele dieser Menschen ein großes Herz gehabt hätten. Auch privat war ihr Leben von bewegenden Geschichten geprägt. Ihren späteren Ehemann lernte sie kennen, als dieser wegen seiner politischen Ansichten im Gefängnis saß. Trotz Widerständen der Familie floh sie später mit ihm – eine sogenannte „fuita“, wie diese traditionelle Form des gemeinsamen Weglaufens auf Ibiza genannt wurde. Jahre später musste sie ihre drei Kinder alleine großziehen, nachdem ihr Mann die Insel verlassen hatte. Berühmt wurde Anita außerdem durch ihre selbstgemachten Hierbas Ibicencas. Das Rezept basierte auf alten Familientraditionen, wurde von ihr jedoch verändert und verfeinert. Das genaue Geheimnis der Kräutermischung verriet sie allerdings nie. Bis heute pilgern viele Besucher allein wegen dieser besonderen Kräuterliköre nach Sant Carles.















