
Mit der Ausstellung „I al mar, els somnis“ widmet das Museu Puget dem 1998 verstorbenen Künstler Hans Grass eine umfassende Retrospektive. Die bis zum 31. Dezember gezeigte Schau wurde von seiner Tochter Tanja Grass gemeinsam mit Elena Ruiz Sastre, Direktorin des MACE (Museum für zeitgenössische Kunst Ibiza), kuratiert. Insgesamt umfasst die Ausstellung 20 Gemälde auf Leinwand sowie zahlreiche Arbeiten auf Papier. Zur Eröffnung stand laut der Tageszeitung Periódico de Ibiza y Formentera vor allem das vielseitige Schaffen des Malers im Mittelpunkt. Im Zentrum der Präsentation stehen vor allem die Porträts des Künstlers, obwohl Hans Grass auch Stillleben und Landschaften malte. Elena Ruiz Sastre erklärte, viele Besucher würden überrascht sein, da der Maler auf Formentera zwar geschätzt gewesen sei, seine Werke aber nur selten öffentlich gezeigt wurden. Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass Grass den Kunstmarkt bewusst mied und seine Arbeiten lieber außerhalb kommerzieller Strukturen entstehen ließ. Nach Einschätzung der Museumsdirektorin zeigen die Werke deutliche Bezüge zu den europäischen Avantgarden sowie insbesondere zum deutschen Expressionismus. Zugleich sei es eine besondere Freude, einen bedeutenden Maler wie Hans Grass erneut einem breiten Publikum präsentieren zu können.
Sichtlich bewegt erinnerte sich Tochter Tanja Grass daran, dass sie zuletzt vor acht Jahren eine Ausstellung mit den Arbeiten ihres Vaters kuratiert hatte. Er habe das Malen geliebt, das öffentliche Ausstellen seiner Werke jedoch weniger. Stattdessen habe er auf Formentera einen großen Freundeskreis gepflegt, mit dem er sich intensiv über das Leben austauschte. Zur Eröffnung kamen deshalb zahlreiche Weggefährten und Kunstinteressierte von der Nachbarinsel. Zu den ausgestellten Werken gehören zahlreiche Selbstporträts, Darstellungen seiner Ehefrau und seiner Tochter sowie Bilder seiner Großmutter und seiner Schwester Ida, der er mehrere Gemälde widmete. Auffällig sind die kräftigen Farben und ungewöhnlichen Bildkompositionen, darunter verschränkte Arme in nahezu unmöglichen Positionen oder das Werk „El hippy“. Ergänzt wird die Schau durch ein Zeichenkabinett, in dem Besucher anhand eines aufgebauten Stilllebens eigene Skizzen anfertigen können.
Hans Grass wurde 1933 in Basel geboren und wuchs in Rheinfelden nahe der französischen Grenze auf. Die Landschaften des Schwarzwalds und der Schweiz sowie die Eindrücke des Zweiten Weltkriegs prägten seine Kindheit nachhaltig. Zwischen 1950 und 1957 studierte er an der Hochschule für Gestaltung in Basel Bildhauerei und Malerei, bevor ihn eine Einladung von Freunden 1965 erstmals nach Formentera führte. Die Insel faszinierte ihn so sehr, dass sie zu seiner neuen Heimat wurde. Dort schloss sich Hans Grass einem Kreis internationaler Künstler und Intellektueller an und entschied sich bewusst gegen eine Karriere auf dem kommerziellen Kunstmarkt. Stattdessen arbeitete er überwiegend im Auftrag privater Kunden. Seit seinem Tod organisieren seine Angehörigen regelmäßig Ausstellungen auf Ibiza und Formentera, um sein künstlerisches Werk einer neuen Generation zugänglich zu machen.
Video der Ausstellungseröffnung / Quelle: Periódico de Ibiza y Formentera











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