Presseschau Plus -
News des Tages

Zusammenfassender Kommentar der Presseschau-Woche von Reinhard Adel

AUFGELESEN – was die Woche so hergab

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Kaum ein Tag vergeht, ohne dass sich die beiden großen Insel-Tageszeitungen dem Thema Wohnungsnot widmen. Oder sollte man Wohnungswucher sagen, denn theoretisch gäbe es sehr wohl ausreichend vier Wände plus Dach über dem Kopf. Nur werden diese zumeist an die Falschen vermietet. Mit der Folge, dass Polizeibeamte, Lehrer und Krankenschwestern, die ihre neue Stelle auf Ibiza antreten, schlimmstenfalls ihre ersten Nächte oder gar Wochen im eigenen Auto ausharren müssen.

Wer schon mal in den „Genuss“ gekommen ist, auf der Insel auf Wohnungssuche zu gehen, der weiß, dass es zwischen November und Mai ein noch einigermaßen mögliches Unterfangen ist. Ende Mai ist dann aber Schicht im Schacht, dann gilt es mit Sack und Pack das winterliche Heim wieder zu verlassen und Platz für Urlauber zu machen. Denn zwischen Juni und Oktober will der Vermieter ordentlich abkassieren.

Es geht wie immer ums Geld. Den allermeisten Eigenheimbesitzern sind selbst 2.500 Euro Monatsmiete für eine durchschnittliche Dreizimmerwohnung nicht genug. Und Onlineportale wie Airbnb und Booking machen es ihnen leicht, ihre Gier nach mehr zu stillen. Wer dazu die entsprechende Genehmigung vom Inselrat einholt und seine Einnahmen versteuert, der bereichert sich auf Kosten vieler Wohnungssuchender sogar völlig rechtmäßig. Freie Marktwirtschaft eben, Angebot und Nachfrage regeln das schon – oder eben nicht.

Airbnb und Co. haben in den zurückliegenden Jahren nicht nur auf Ibiza das Konzept völlig auf den Kopf gestellt und an den Rand des Wahnsinns getrieben. Inzwischen sind diese Onlineportale für Wohnungsmiseren zwischen Berlin und San Francisco verantwortlich. Was einst als romantische Idee begann, um Einheimische und Ortsfremde unter demselben Dach zusammenzubringen, ist längst völlig aus dem Ruder geraten.

Die Politik versucht gegenzusteuern, auch auf Ibiza. Der Inselrat legt in unregelmäßigen Abständen Zahlen vor, wie in der vergangenen Woche wieder: Gegen 14 Vermieter von illegalen Ferienunterkünften seien Bußgelder in Höhe von fast 400.000 Euro ausgesprochen, frohlockte der verantwortliche Dezernent. In der zurückliegenden Legislaturperiode seien auf diese Weise 1,3 Millionen Euro in die Kasse gespült worden. Und damit das Prinzip Abschreckung seine Wirkung erzielt, will man die Mindeststrafe bei Verstößen auf 40.000 Euro angehoben haben.

Nur, die Zahl der Unterbringungen, die ohne entsprechende Genehmigungen dem Langzeitwohnungsmarkt entzogen und Airbnb & Co. zugeschoben werden, ist vergleichsweise niedrig. Wer im März allein in Santa Eulària eine Suche eingibt, dem spuckt die Seite „über 1.000 Unterkünfte“ aus – und das für Ende November. Das Problem sind somit nicht nur die verhältnismäßig wenigen schwarzen Schafe, die von der Politik – zurecht – mit aller Leidenschaft verfolgt werden. Es sind auch diejenigen, die völlig legal dringend benötigten Wohnraum gänzlich den Onlineportalen anvertrauen.

Es wird der Politik letztlich nichts anderes übrig bleiben, als irgendwann auch diese immens große Gruppe stärker ins Visier zu nehmen. Bei empfindlich höheren Steuern und administrativen Hürden würden es sich viele vermutlich überlegen, ob es tatsächlich so viel lukrativer ist, die Wohnung oder das Zimmer tageweise an Feriengäste anstatt dauerhaft an einen Lehrer zu vermieten. Noch kommen die legalen Vermieter von Ferienunterkünften zu leicht ungeschoren davon. Das Thema birgt zu viel sozialen Sprengstoff, um es ausschließlich dem Markt zu überlassen.

Anmerkung der Redaktion In der IBIZA LIVE REPORT April-Ausgabe erklärt unsere Gast-Autorin und Anwältin María José Quirante den Mitte März offiziell in Kraft getretenen Referenzpreisindex vom Ministerium für Wohnungsbau und Stadtplanung.

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