
Bei den Arbeiten für den neuen Hafenbereich für große Yachten in der Marina von Ibiza sind zahlreiche archäologische Überreste entdeckt worden. Die Tageszeitung Diario de Ibiza berichtet, dass die Funde eine erstaunliche historische Spannbreite abdecken – von der punischen Epoche über die römische und islamische Zeit bis hin zur Moderne, etwa dem Bau der ersten Straße nach Sant Antoni im Jahr 1867.
Die Arbeiten wurden von IGY Ibiza Marina durchgeführt, verwaltet von Ocean Capital Partners (OCP), Grupo Empresas Matutes und Island Global Yachting (IGY). Hauptsächlich ging es um die Verlegung neuer Stromleitungen in einem großen Bereich, der dem früheren Wasserbecken des Hafens und dem historischen Pla de Vila – dem Ursprung der Stadt Ibiza und seit Jahrhunderten Zentrum ihrer urbanen Entwicklung – entspricht. Unter archäologischer Aufsicht wurden Gräben geöffnet, deren Ergebnisse laut IGY Ibiza Marina spektakulär ausfallen.
Zu den häufigsten Funden zählen Mauern aus lokaler Trockenstein-Mauerwerkstechnik, die sich dem früheren ländlichen Charakter des Pla de Vila zuordnen lassen: landwirtschaftliche Parzellen, Felder und verstreute Bauernhäuser. Einige der Mauern stimmen mit Luftaufnahmen aus dem Jahr 1956 überein.
Im Kreuzungsbereich der heutigen Avenida Ignasi Wallis wurden drei parallele Mauern freigelegt, die aufgrund ihrer Lage und Struktur als Reste der ersten Straße der Insel gelten – der Straße nach Sant Antoni, fertiggestellt 1867 und erstmals asphaltiert 1929. Eine dieser Mauern gehörte zudem zur Umfriedung der ehemaligen Finca sa Farinera, die bis in die 1970er Jahre existierte.
Weitere Strukturen stammen aus der Urbanisierung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts: Fundamente und Bauelemente der Fábrica de Luz, des ersten Elektrizitätswerks Ibizas (1907), sowie benachbarter Gebäude. Diese Funde belegen die technologische und wirtschaftliche Bedeutung des Gebietes für die Expansion der Stadt.
In einem anderen Abschnitt tauchten Mauern und Pflasterflächen in etwa einem Meter Tiefe auf, passend zu den gewaltigen Erdbewegungen während der großen Hafenerweiterung zwischen 1889 und 1912. Diese Maßnahmen, gestaltet vom Ingenieur Emili Pou (1830–1888), erhöhten die Kaimauern und überdeckten ältere Strukturen.
Im Bereich der Straßen Vicente Serra und Orvay fanden sich kalksteinerne Gebäudereste, die auf römische oder spätantike Ursprünge hinweisen. Besonders bedeutend ist ein Keramikensemble in der Nähe der Straße Arzobispo Cardona Riera: zeitlich reicht es von der punischen Epoche über die islamische Zeit bis zu einem homogenen Bestand aus der byzantinischen Phase. Die Funde korrespondieren mit bekannten spätantiken Nekropolen im Umfeld des Pla de Vila.
Diese neuen Entdeckungen geben einen außergewöhnlichen Einblick in die kontinuierliche Besiedlung und Entwicklung der Stadt Ibiza – von den ersten punischen Siedlungen bis zur modernen urbanen Infrastruktur.














