
Der zweite Streiktag der nationalen Ärzteproteste, zu denen der Landesverband der Ärztegewerkschaften (CESM) aufgerufen hat, führte laut der Tageszeitung Periódico de Ibiza y Formentera zu einem breiten Ausfall medizinischer Leistungen auf den Pitiusen. Am Krankenhaus Can Misses wurden 28 geplante Operationen und 159 Facharztkonsultationen gestrichen.
Vor dem Krankenhaus versammelten sich zahlreiche Ärztinnen und Ärzte, um gegen den vom Gesundheitsministerium vorgelegten Entwurf des Rechtstextes Estatuto Marco, der die Rahmenbedingungen für medizinisches Personal festlegt, zu protestieren. Auf Plakaten standen Forderungen wie „Ärzte erschöpft, Patienten in Gefahr“, „Ohne Schlaf, ohne Pause – ein Fehler kann töten“ oder „Keine Bereitschaft, sondern legale Ausbeutung“. Die Gewerkschaften kritisieren, dass das Ministerium keinen eigenen, auf die besonderen Bedingungen des Arztberufs abgestimmten Rechtsrahmen schaffen wolle. Carlos Rodríguez, Sprecher von Simebal auf den Pitiusas, erinnerte daran, dass diese Forderung bereits vor den Übertragungen der Gesundheitskompetenz an die autonomen Regionen bestand. Zudem beklagte er, dass die Ministerin sich weigere, die Verbände anzuhören.
Ein zentraler Kritikpunkt ist das derzeitige Modell der ärztlichen Bereitschaftsdienste, das die Streikenden als „erschöpfend“ und „unwürdig“ bezeichnen. Rodríguez schilderte Dienste von über 24 Stunden, in denen auf den regulären Arbeitstag direkt nächtliche Notfalleinsätze folgten. Diese extreme Belastung schädige sowohl die Arbeitsqualität als auch die Patientensicherheit. Hinzu komme eine enorme emotionale Belastung sowie Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Laut Gewerkschaften lag die Streikbeteiligung am zweiten Tag bei rund 85 % der Fachärzte der Insel. In der Primärversorgung war die Teilnahme geringer (35–40 %), was auch auf den aktuellen Grippeanstieg zurückgeführt wird.
Auf Formentera ist die Wirkung des Streiks kaum spürbar, da dort Dienstverpflichtungen gelten, die praktisch die gesamte Belegschaft betreffen. Genau diese Mindestdienste wurden von Ärzten auf Ibiza als „skandalös“ kritisiert, weil sie über einer normalen Dienstbelastung lägen.
Die Proteste richten sich nicht allein gegen die Bezahlung. Die Ärztinnen und Ärzte fordern mehr Investitionen in die öffentliche Gesundheitsversorgung, um die Personalsituation zu verbessern, Wartezeiten zu reduzieren und eine sichere Versorgung zu gewährleisten. „Wir tolerieren keinen weiteren institutionellen Missbrauch“, hieß es während der Kundgebung. Der Streik soll noch zwei weitere Tage fortgesetzt werden.













