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Abschied von Tanit am Tag seiner Göttin

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Tanit in seiner üblichen Strandkleidung. / AISHA BONET, JORDI GÓMEZ, RAMÓN MARTÍNEZ UND TANIT’S ARCHIV

Ibiza trauert um eine ihrer außergewöhnlichsten Persönlichkeiten: Tanit, mit bürgerlichem Namen Ferdinand Guy Jocelyn, ist am Sonntag, 6. September, im Alter von 81 Jahren in seinem Haus an den Folgen von Lungenkrebs gestorben. Ausgerechnet an jenem Tag, der auf Ibiza der Göttin Tanit gewidmet ist – der Schutzgöttin der Insel, deren Namen er zu seinem Lebensnamen gemacht hatte. In einem persönlichen Nachruf erinnert Autor Juan Suárez in der Tageszeitung Diario de Ibiza an den Mann, der über Jahrzehnte zu den bekanntesten Gesichtern der Insel gehörte und für viele den freien Geist und das alte Ibiza verkörperte.

Ferdinand Guy Jocelyn wurde 1945 auf Martinique geboren. Sein Vater war Franzose, seine Mutter Vietnamesin, sein Großvater ein amerikanischer Apache. Er selbst erzählte, er sei auf dem Meer geboren worden und habe deshalb nie viel mit Grenzen anfangen können. Auf Ibiza fand er die Freiheit, nach seinen eigenen Vorstellungen zu leben. Seit den 1970er-Jahren wurde der schlanke Mann mit Rastalocken, Federn und Lendenschurz zu einer unverwechselbaren Erscheinung. Er arbeitete unter anderem als Barkeeper im Amnesia, als PR-Mann und organisierte Veranstaltungen im KU, Keeper und Malibu an Ses Salines. Seine Lebensfreude und sein ausgeprägtes Freiheitsgefühl machten ihn weit über die Insel hinaus bekannt.

Tanit war außerdem leidenschaftlicher Sportler, fast überall mit dem Fahrrad unterwegs und für sein Palas-Spiel sowie seine Spaziergänge rückwärts am Strand von Ses Salines bekannt. Tanz, Partys und Frauen bezeichnete er als seine großen Leidenschaften. Zu seinem Markenzeichen wurden die langen Rastas und Federn. Sein musikalisches Idol war Bob Marley, dem er bei dessen legendärem Ibiza-Konzert 1978 nach eigener Aussage einen Joint schenkte.  Sein Lebensstil blieb bis zuletzt Ausdruck seiner kompromisslosen Individualität. Nach seiner Lungenkrebsdiagnose im Juni hatten ihm die Ärzte nach seinen eigenen Worten nur noch rund 15 Tage gegeben. Tanit lebte weitere zweieinhalb Monate. Noch am vergangenen Freitag, 4. September, erfüllte sich ein letzter Wunsch: Im voll besetzten Club Diario erhielt er gemeinsam mit Charo Ruiz und Martín Ferrer den „Llave de Ibiza“ (Schlüssel von Ibiza). Das Publikum erhob sich und verabschiedete ihn mit langem Applaus. Die Preisverleihung wurde zu seinem bewegenden Abschied von der Öffentlichkeit.

Juan Suárez, der Tanit seit Ende der 1980er-Jahre kannte und ihn auch nach seiner Diagnose interviewte, erinnert an einen Mann, der wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Tanit betonte immer wieder, was Ibiza ihm geschenkt habe: die Möglichkeit, frei und nach seinen eigenen Vorstellungen zu leben. Am Sonntag starb er zu Hause, umgeben von Freunden und mit dem „Llave de Ibiza“, den er erst zwei Tage zuvor erhalten hatte. Mit ihm verliert die Insel ein Stück Hippiegeschichte und eine ihrer unverwechselbaren Kultfiguren.

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