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50 Jahre Amnesia: Erster Clubmanager erinnert sich an die Anfänge

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Als das Amnesia im Sommer 1976 seine Türen öffnete, war von einem der berühmtesten Clubs der Welt noch keine Rede. Es gab weder Marketingkampagnen noch VIP-Bereiche oder Social Media. Stattdessen prägten Live-Musik, Freiheit und eine entspannte Atmosphäre den Alltag in einem traditionellen ibizenkischen Bauernhaus. Zum 50-jährigen Jubiläum blickt die Tageszeitung Diario de Ibiza gemeinsam mit zwei Zeitzeugen auf die ersten Jahre der heute weltbekannten Diskothek zurück.
Javier Sandoval, der zwischen April und September 1976 als erster Clubmanager tätig war, erinnert sich an ein völlig anderes Ibiza. Der Eintritt war kostenlos, serviert wurden unter anderem Hamburger, Hot Dogs und Grillgerichte. Werbung existierte praktisch nicht – neue Besucher erfuhren ausschließlich durch Mundpropaganda von dem außergewöhnlichen Treffpunkt. „Die Musik bestimmte alles, nicht das Image“, fasst Sandoval die Philosophie der Anfangsjahre zusammen. Nach seinen Schilderungen war Amnesia zunächst ein Gemeinschaftsprojekt von Antonio Escohotado, Manuel Sáenz de Heredia und Rafael Aracil. Nachdem das Startkapital aufgebraucht war, sprang der asturische Unternehmer José María Menéndez als Finanzier ein. Er holte Sandoval nach Ibiza, der anschließend nahezu den gesamten Betrieb organisierte. Er stellte Mitarbeiter ein, beschaffte die Musikanlage, richtete Bar und Restaurant ein, kümmerte sich um Wasser- und Getränkelieferungen, erledigte Bankgeschäfte und löste täglich neue Herausforderungen. Selbst am Eröffnungstag am 13. Juli 1976 schaufelte er kurz vor Einlass noch Schotter auf den Parkplatz, bevor er sich umzog und die ersten Gäste begrüßte.
Die ersten Abende verliefen völlig anders als heute. Musiker aus verschiedenen Ländern spielten spontane Jam-Sessions, häufig ohne Gage und allein aus Freude an der Musik. Internationale Künstler, die sich gerade auf Ibiza aufhielten, schlossen sich immer wieder an. Gewalt oder größere Sicherheitsprobleme habe es praktisch nicht gegeben. Für Sandoval war Amnesia damals ein Ort der Spontaneität, an dem sich Menschen frei begegneten und Musik wichtiger war als Inszenierung oder Luxus. Die Insel sei deutlich kleiner, ruhiger und unbeschwerter gewesen. Während heute der internationale Partytourismus dominiere, habe damals ein besonderes Freiheitsgefühl geherrscht. Auch die Guardia Civil habe zwar gelegentlich nach dem Rechten gesehen, außergewöhnliche Vorfälle oder organisierte Kriminalität habe es jedoch nicht gegeben. Trotz der weltweiten Entwicklung von Amnesia hat Sandoval den Club später nie wieder besucht. Er bevorzuge die Erinnerung an das ursprüngliche Bauernhaus, in dem alles begann.
Ein weiterer wichtiger Zeitzeuge ist Ulises Braun, der 1984 zur Diskothek kam und als erster eine Boutique innerhalb des Amnesia eröffnete. Ihm fiel damals auf, dass es keinerlei Fanartikel des Clubs gab. Mit Genehmigung der Betreiber entwickelte er deshalb die ersten Produkte mit dem Amnesia-Logo – darunter T-Shirts, Kleidung, Fächer, Tassen, Postkarten und sogar eine streng limitierte Schweizer Armbanduhr, von der nach seinen Angaben lediglich 100 Exemplare hergestellt wurden. Damit begann Amnesia erstmals auch als Marke wahrgenommen zu werden, die Besucher als Erinnerung mit nach Hause nehmen wollten. Braun erinnert sich außerdem an die musikalische Vielfalt der frühen 1980er-Jahre. Es liefen Disco, Funk, Rock, New Wave und New Romantic nebeneinander. Genau diese Mischung unterschiedlichster Stilrichtungen entwickelte sich später zu dem Musikstil, der weltweit als Balearic Beat bekannt wurde und bis heute eng mit Ibiza verbunden ist. Für Braun war diese Offenheit Ausdruck der kulturellen Vielfalt der Insel – und einer Zeit, in der musikalische Grenzen kaum eine Rolle spielten

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